Milchbauernverband ruft zu Ende des Boykotts auf

Berlin - Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, hat die Milchbauern am Donnerstag nach zehn Tagen zum Ende des Lieferboykotts aufgerufen. "Ich fordere sie auf, ab heute Abend wieder Milch zu liefern", sagte Schaber unter dem Jubel mehrerer tausend Bauern am Brandenburger Tor in Berlin.

"Die letzte Bastion bei den Discountern wird bald fallen." Der Discounter Lidl hatte zuvor angekündigt, den Milchpreis zu erhöhen. Auch Aldi Süd zeigte sich zu Verhandlungen bereit. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) wollte sich um 16.00 Uhr in seinem Ministerium in Berlin bei einer Pressekonferenz zu dem Thema äußern.

Es gebe so gut wie keine Handelskette, die nicht die Milchpreise erhöhen wolle, verkündete Schaber den Demonstranten. Es sei aber noch ein langer Kampf, bis davon etwas bei den Bauern ankomme. Am Donnerstagabend wollten Vertreter des BDM und des Milchindustrie-Verbandes erneut miteinander verhandeln. Die Bauern hatten die Molkereien boykottiert, um ihre Forderung von mindestens 43 Cent pro Liter Milch durchzusetzen. Der zweitgrößte deutsche Discounter Lidl war am Mittwoch mit der Ankündigung einer Preiserhöhungen von zehn Cent im Kreis der wichtigen Lebensmittelhändler vorgeprescht.

Die Landwirte hatten auch am Donnerstag ihre Proteste fortgesetzt. In Dresden, Leipzig und Chemnitz, aber auch in Hamburg und Mülheim an der Ruhr versammelten sich Milchbauern nach Polizeiangaben in Innenstädten oder vor Handelszentralen.

Aldi Süd kündigte an, sich "an den aktuell im Markt diskutierten Erzeugerpreisen" orientieren zu wollen. Konkrete Zahlen wurden aber nicht genannt. Vor den Zentralen der Schwesterunternehmen Aldi Süd in Mülheim und Aldi Nord in Essen demonstrierten erneut Milchbauern, um den führenden deutschen Discounter zum Einlenken zu bewegen. Sie werfen Aldi vor, Ausgangspunkt der massiven Preissenkungen im Frühjahr gewesen zu sein. An den Milchpreisen von Aldi orientieren sich erfahrungsgemäß auch zahlreiche andere Lebensmittelhändler.

Andere Handelsriesen sind trotz bestehender Verträge ebenfalls zu neuen Verhandlungen mit den Molkereien bereit. "Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit", sagte ein Sprecher des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka in Hamburg. Der zweitgrößte deutsche Lebensmittehändler REWE wiederholte das Angebot, mit seinen Lieferanten über den Milchpreis zu verhandeln. "Wenn sich ein neuer Marktpreis bildet, wird die REWE diesen Marktpreis nachvollziehen", sagte ein Sprecher.

Ähnliche Signale kamen von Tengelmann. "Wenn der Markt es hergibt, ziehen wir nach", sagte eine Sprecherin der Tengelmann-Supermarktkette Kaisers in Mülheim. Auch eine Sprecherin der Discount-Tochter Plus zeigte sich bereit für weitere Gespräche. "Wir gehen davon aus, dass wir uns entsprechend des aktuellen Marktgeschehens verhalten werden", sagte die Sprecherin. Beim Handelsriesen METRO war zunächst keine Entscheidung über das weitere Vorgehen gefallen, ergab eine dpa-Umfrage.

Wie der Deutsche Bauernverband mitteilte, protestierten Bauern mit Schleppern vor Aldi Süd und vor Aldi Nord. In Dresden, Chemnitz und Leipzig demonstrierten den Angaben zufolge Bauern mit bis zu 50 Traktoren für höhere Milchpreise. In Hamburg hielt die Mahnwache von 80 Bauern aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein vor der Edeka-Zentrale an. Über 100 Landwirte aus Bayern und dem benachbarten Thüringen zogen vor die Zentrale von Norma in Fürth.

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