Milchpreis erneut unter Druck

Gut 100 Tage nach dem bundesweiten Lieferstopp droht der Milchpreis erneut unter Druck zu geraten. "Wir haben zu viel Milch am Markt und brauchen deshalb dringend Mengenbegrenzungsmaßnahmen".

Dies sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Petersthal. Gegenwärtig liege der Anlieferpreis zwischen 32 und 36 Cent pro Liter. "Unser Ziel ist nach wie vor 43 Cent." Der Verband habe gegen die europaweite Milch- Quotenerhöhung Klage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht, die inzwischen angenommen worden sei.

Schaber erhofft sich eine Marktberuhigung durch die Änderung des Umrechnungsfaktors. Pro Liter Milch seien bisher 1,02 Kilogramm gutgeschrieben worden. Dieser Faktor soll auf 1,03 erhöht werden. "Das bringt uns im Jahr ein Prozent weniger Milch", sagte Schaber. Durch den Lieferboykott sei der Milchmarkt vorübergehend entlastet worden. "Ohne Lieferstopp wäre der Milchpreis noch um zwei bis drei Cent niedriger", sagte Schaber. Jetzt sei die Politik gefordert, die auf den Weg gebrachten Maßnahmen für einen besseren Milchpreis zu beschließen.

Susanne Nüssel vom Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft kritisierte als Vertreterin der Molkereien die mangelnde Lieferdisziplin vieler Milcherzeuger. Dadurch sei es zu Preisrückgängen gekommen.

Durch einen gefallenen Getreidepreis sei Kraftfutter für die Milchkühe wieder preiswerter, es werde wieder zu viel Milch produziert. "Ein tatsächlicher Erfolg des Lieferboykotts ist mehr als fragwürdig", sagte Nüssel. Zwar sei eine Erhöhung des Milchpreises für die Bauern möglich, einen konstanten Literpreis von 43 Cent werde es nach ihrer Auffassung aber nicht geben.

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