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Zufriedene Kühe, zufriedene Bauern? Leider nicht immer. Derzeit hoffen tausende Milcherzeuger in Bayern, dass die Milchpreiserhöhung auch bei ihnen ankommt.

Milchpreis-Poker: Sieg für Molkereien

München - Der Preis für Milch steigt um neun Cent – rund 20 Prozent. Was für Verbraucher nach einer drastischen Erhöhung klingt, ist für Milcherzeuger ein ersehnter Schritt in die richtige Richtung.

Viele Menschen wundern sich in diesen Tagen beim Griff ins Supermarkt- Kühlregal. Der Grund: Der Handelskonzern Aldi hat die Preise für Milch und Produkte der sogenannten „weißen Linie“ erhöht, und zwar kräftig. Darunter fallen Quark, Joghurt und Sahne. Neun Cent mehr sollen Konsumenten nun pro Liter Milch bezahlen. Ein Liter fettarme Milch (0,5 Prozent Fettgehalt) verteuert sich von 45 auf 54 Cent, Vollmilch (3,56 Prozent Fettgehalt) von 51 auf 60 Cent. Das ist das Ergebnis einer Verhandlungsrunde zwischen Aldi und mehreren Molkereien. Erfahrungsgemäß folgen dieser Entscheidung auch die übrigen Handelskonzerne.

Hintergrund ist unter anderem die weltweit gestiegene Nachfrage nach Milchprodukten. Die USA – einer der international größten Erzeuger von Milch – drosselten in den vergangenen Monaten ihre Milchexporte. Eine Dürre hatte dort die Preise für Soja, Mais und Weizen nach oben getrieben, viele Bauern schlachteten ihr Milchvieh. Beim Preis für Butter schlug diese Entwicklung bereits durch. Ihr Preis stieg in den vergangenen zwei Monaten um rund ein Viertel.

Einen weiteren Grund für den jüngsten Preisanstieg kennt der Vize-Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Günther Felßner. Man versuche, eine Delle auszubügeln, die bei den letzten Milchpreis-Verhandlungen vor einem halben Jahr entstanden sei. „Die Trinkmilchkontrakte gingen damals um sechs Cent nach unten“, sagt Felßner. Insofern sei die aktuelle Preissteigerung um neun Cent eigentlich nur eine um drei Cent. Kurz vor den letzten Verhandlungen war laut Felßner die Nachfrage nach Milch in dem für Deutschland wichtigen Absatzmarkt Griechenland gesunken – und damit auch ihr Wert. Der Bauern-Vizepräsident ist zwar grundsätzlich froh über die steigenden Preise – jedoch bliebe abzuwarten, wie viel davon tatsächlich bei den Milchbauern ankomme. Die bayerischen Milcherzeuger zeigten sich „erwartungsfroh“. Sie hoffen darauf, dass die Molkereien die neun Cent auch an sie weitergeben.

Romuald Schaber, Vorsitzender beim Bundesverband der deutschen Milchviehhalter (BDM), freut sich ebenfalls über die Preiserhöhung bei der „weißen Linie“. Das Preisniveau sei allerdings nach wie vor zu niedrig, findet er. „Wenn eine Packung Milch für weniger als 65 Cent im Supermarktregal steht, kommt nichts beim Bauern an.“

Der BDM hat im Vorfeld der Verhandlungen zwischen den Molkereien und Aldi ein Plus von 15 Cent pro Liter gefordert. Doch der BDM sitzt bei den Verhandlungen nicht mit am Tisch. „Da lässt sich keiner in die Karten schauen“, sagt Schaber. Seines Wissens geben die Molkereien ihre Angebote bei Aldi ab, dann wird gepokert. Schaber teilt die Bedenken des Bayerischen Bauernverbands: Wie viel von den neun Cent pro Liter am Ende beim einzelnen Milchbauern ankomme, sei schwer zu sagen. Manche Molkereien legen die vollen neun Cent auf die Bauern um, andere nicht.

Der jetzt verhandelte Preis gilt für sechs Monate – eine lange Zeit im Lebensmittelhandel. Für Butter und Käse werden die Preise nur noch für zwei bis drei Monate festgelegt. Im Moment laufen Verhandlungen. „Aufgrund der Marktlage erhoffen wir uns auch hier Preiserhöhungen“, sagt Schaber.

von Manuela Dollinger und Patrick Wehner

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