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Agrarminister und Bauernverband fordern EU-Hilfe

Der Milchpreis stürzt unter 30 Cent

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München - Schwere Zeiten für Milchbauern: Teilweise liegt der Preis, den die Landwirte von ihrer Molkerei bekommen, unter 30 Cent. Doch es ist nicht der Wegfall der Milchquote, der die Preise hat abstürzen lassen, sondern der Druck des Einzelhandels und die Weltlage.

Wer erinnert sich nicht ans Krisenjahr 2009 bei den Milchbauern? Der Preis für ein Kilo Milch war so abgestürzt, dass wütende Landwirte demonstrierten und ihr kostbares Produkt auf Feldern ausschütteten. Bis auf 25 Cent war der Milchpreis gefallen. Nachdem sich die Lage für die Landwirte in den vergangenen Jahren deutlich erholt hatte, sieht es nun wieder düster aus. „Steigende Kosten, sinkende Preise und kein Licht am Horizont“, stellt Bayerns Agrarminister Helmut Brunner besorgt fest. „Es gibt schon einige Molkereien, die können den Dreier nicht mehr halten.“ Der Minister hat den Runden Tisch zur Zukunft der Milchproduktion daher heute nach Brüssel verlegt. Dort trifft man sich mit Vertretern der EU-Kommission und den bayerischen EU-Abgeordneten, um klar zu machen: „Brüssel darf die Milcherzeuger in der schwierigen Phase nicht alleine lassen.“

Den Preisrückgang führt Brunner nicht aufs Auslaufen der Milchquote zum 1. April zurück. Er verweist auf das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China, das zu geringerer Nachfrage nach Milchpulver führt. Auch das Russland-Embargo schmerze, und die Neuseeländer drängten auf den Markt: Neuseeland hat im vergangenen Jahr 17,4 Millionen Tonnen Milch exportiert – mehr als die gesamte EU (16,1 Millionen Tonnen). Das alles sind Mosaiksteinchen, die zu einer gewissen Erhöhung der Milchmenge führten. „Jede Übermenge nutzt der Einzelhandel dazu, mit Sonder- oder Lockangeboten die Preise nach unten zu drücken.“

Günther Felßner drückt das noch drastischer aus. Für den Vizepräsidenten des Bayerischen Bauernverbands ist der Milchpreisverfall keine physische, sondern eine psychische Erkrankung. Und dafür macht er klar den Lebensmitteleinzelhandel verantwortlich. „Der Handel hat das Auslaufen der Milchquote zum Anlass genommen, die Preise zu drücken.“ Eine fatale Entwicklung. Beispiel: Jetzt im Sommer werden eigentlich mit den großen Backfirmen die Verträge fürs Weihnachtsgeschäft geschlossen – also wie viel Butter geordert wird. Doch angesichts der Preisentwicklung warten die Firmen, denn die Preise könnten weiter fallen.

Aber es hat sich im Vergleich zu 2009, dem großen Krisenjahr, auch etwas geändert. „Wir haben das große Jammern der Bauern noch nicht gehört“, so der BBV-Vize. Er habe den Eindruck, dass sich die Landwirte besser an das Auf und Ab der Preise gewöhnt haben. Das sieht Brunner ebenso. In der Landwirtschaft denke man nicht kurzfristig: „Die Bauern haben immer wieder bewiesen, dass sie Krisensituationen durch Selbstbeschränkung, Abstriche im persönlichen Bereich und Zurückhaltung bei Investitionen durchaus auch meistern können. Entscheidend ist, ob diese Krise zeitlich begrenzt bleibt und sich die Preise in absehbarer Zeit wieder erholen.“ Doch ehrlicherweise müsse man sagen: „In diesem Jahr wird sich die Preisentwicklung vermutlich nicht umkehren.“ Er versuche, mit flankierenden Maßnahmen das Ausmaß zu verringern und dafür zu sorgen, dass es im nächsten Jahr wieder eine Preisentwicklung nach oben gibt. Dafür schickte Brunner auch einen Brief an EU-Agrarkommissar Phil Hogan, in dem er eine Anhebung der Interventionspreise auf 25 Cent pro Kilo fordert. Zudem soll Milchpulver im Rahmen der Nahrungsmittelhilfe für Krisengebiete verwendet werden. Die Strafzahlungen der Superabgabe – zwischen einer halben und einer Milliarde Euro – sollten komplett dem Milchsektor zugute kommen.

Laut Günther Felßner verschärft sich die Lage, weil abgesehen vom Milchpreisverfall noch weitere Probleme hinzukommen. So müssen Betriebe wegen der guten Vorjahre Einkommenssteuer nachzahlen und eine höhere Vorauszahlung leisten. Zudem ist eine deutlich erhöhte Superabgabe zu berappen. „Bei einigen Betrieben kann das mehrere zehntausend Euro betragen“, so Felßner. In Nordbayern macht Trockenheit den Bauern zu schaffen – sie müssen Futter zukaufen.

Aber es gibt auch Milchbauern, denen es gut geht. Die an die Molkerei Berchtesgadener Land liefern und fast 40 Cent bekommen. Die Milch aus der Bergregion kostet freilich auch im Handel mehr. Geschäftsführer Bernhard Pointner sagt: „Bei den Verbrauchern findet ein Umdenken statt. Sie erkennen, wie wichtig hochwertige Lebensmittel sind. Mit einem fairen Milchpreis können wir die kleinbäuerliche Milchviehwirtschaft und damit die Kulturlandschaft in der Berg- und Alpenregion erhalten.“

Claudia Möllers

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