Milchviehhalter kritisieren Genossenschaften im Milchpreisstreit

Berlin - Der Streit über höhere Milchpreise ist knapp zwei Wochen nach dem Milch-Spitzengespräch bei Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) noch nicht beendet.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter warf den Genossenschaftsmolkereien am Freitag mangelndes Interesse an Preissteigerungen vor.  Der Milchmarkt sei in einer Schieflage, teilte Verbandschef Romuald Schaber am Freitag in Freising mit. Die "Genossenschaften sehen trotzdem keine Handlungsnotwendigkeit", die Milchproduktion nach den Vorschlägen des Milchviehhalterverbandes zu drosseln. Ihre größte Sorge sei, Marktanteile zu verlieren.

Der Deutsche Raiffeisenverband wies die Kritik zurück. "Bei den Genossenschaftsmolkereien steht die bestmögliche Verwertung zum höchstmöglichen Preis im Vordergrund", sagte Generalsekretär Rolf Meyer der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Er warnte vor nationalen Lösungen bei dem Versuch, die Milchmenge zu steuern, um zu höheren Preisen zu kommen. Der Markt dürfe nicht ausgehebelt werden. Dem Verband gehören rund 60 genossenschaftliche Molkereien an. Dabei sind die Milchbauern zugleich Eigentümer.

Mit einem zehntägigen Lieferstopp bis Anfang Juni hatten die Milchviehhalter einen höheren Milchpreis von 43 Cent pro Liter gefordert. Im Juni bekamen die Bauern knapp 33 Cent pro Liter von den Molkereien. Seehofer will Möglichkeiten zur Senkung der Menge prüfen und so höhere Preise ermöglichen. Ende Juli vereinbarte er mit Bauern, Molkereien, Handel und Ländern, bei der EU-Kommission einen Milchfonds mit Hilfsgeldern einzufordern. Der Bundesrat will den Wegfall der Verrechnung von zu viel und zu wenig Milch prüfen. Die Genossenschaften planen weitere Zusammenschlüsse. Schaber kritisierte, dass der Deutsche Bauernverband einige Forderungen der Milchviehhalter nach Mengensteuerung skeptisch sieht. Der größte deutsche Discounter Aldi hatte nach Angaben der "Lebensmittel Zeitung" beim Einkauf eine Preissenkung um 25 Cent pro Kilo Butter durchgesetzt. Der Zwei-Monats-Kontrakt gilt demnach seit 1. August.

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