Milder Winter: Milliardengeschenk für Verbraucher und Wirtschaft

- München - Auch wenn es Anfang nächster Woche noch einmal schneien soll: Der Winter war heuer keiner. So bedenklich das unter ökologischen Aspekten ist, so erfreulich ist es unter ökonomischen. Die außergewöhnlich warmen Temperaturen sparen den Haushalten Milliarden Euro an Energiekosten, hat die HypoVereinsbank ausgerechnet.

Und sie sind ein Grund für das derzeit rasante Wachstum der Wirtschaft.

Seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in Deutschland zu dieser Jahreszeit nicht so warm wie heuer. In den drei Wintermonaten Dezember, Januar und Februar lag die Temperatur gut vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Während die Temperaturen weltweit stiegen, sank der Ölpreis - von rund 80 Dollar im vergangenen Sommer auf um die 60 Dollar zurzeit. "Das weltweit milde Winterwetter war mit Sicherheit nicht der einzige Grund für den starken Ölpreisrückgang, aber zusammen mit dem Ausbleiben der Hurrikansaison im Golf von Mexiko ein sehr wichtiger Faktor", heißt es in einer Studie der Münchner HypoVereinsbank.

Die Folge: Während die Kosten der privaten Haushalte für Energie im vergangenen Jahr um fast neun Prozent gestiegen waren, erwartet die HVB für heuer eine Teuerung von weniger als zwei Prozent. Doch tatsächlich werden die meisten Haushalte heuer Geld sparen. Denn in vielen Wohnungen wurden die Heizungen heruntergedreht oder ausgeschaltet. Und das zahlt sich aus.

Annähernd die Hälfte des Energiebedarfs der privaten Haushalte entfällt auf das Heizen. Und da das heuer weit seltener nötig war als sonst, sinken die Ausgaben. Rund 15 Prozent des Jahresheizbedarfs wird nach Einschätzung der HVB eingespart. Dies entspreche einer Summe von acht Milliarden Euro. Im Durchschnitt spare jeder Haushalt so über 200 Euro. Der Haken: Die Einsparung wird sich bei vielen Mietern erst verspätet bemerkbar machen - nämlich, wenn die Nebenkostenabrechnung kommt.

Neben den privaten Haushalten profitieren auch der Staat und viele Unternehmen vom milden Wetter. Städte und Kommunen sparen sich Millionenbeträge beim Winterdienst: Die Stadt München hat bisher nur rund acht Millionen Euro für das Räumen und Streuen der Straßen ausgegeben. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum fast 20 Millionen. An Flughäfen ist es zu weniger wetterbedingten Flugausfällen gekommen, die Binnen-Schifffahrt war heuer kaum beeinträchtigt, an Baustellen konnte fast die gesamten Wintermonate durchgearbeitet werden und Straßencafés hatten schon umsatzstarke Tage. Zwar gibt es - etwa im Bereich des Wintersports - viele Klimaverlierer. Doch unter dem Strich profitiert die Wirtschaft heuer von der Wärme, glaubt man bei der HypoVereinsbank. 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte des derzeitigen Wirtschaftswachstums gingen auf den milden Winter zurück, erklärt Chefvolkswirt Andreas Rees.

Allerdings bleibt die Schönwetter-Bilanz nicht ungetrübt. Zum einen handelt es sich bei den positiven Auswirkungen mitunter nur um Verteilungseffekte, wie Rees erläutert: "Durch die milde Witterung wird ja nicht mehr gebaut, es verteilt sich mehr auf die Jahreszeiten." Zum anderen stehen den positiven kurzfristigen Effekten langfristig negative Auswirkungen der Erwärmung gegenüber. Auf Dauer, glauben Wirtschaftsforscher, könnte der Klimawandel allein Deutschland mehrere hundert Milliarden Euro kosten.

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