Milder Winter sorgt für übervolle Warenlager

- Hamburg - Der ungewöhnlich milde Winter sorgt beim Einzelhandel für übervolle Warenlager und zwingt die Unternehmen zu einer umfangreichen Rabatt-Offensive. Trotz bereits kräftiger Preissenkungen sitzen viele Händler zu Beginn des Winterschlussverkaufs (WSV) an diesem Montag noch immer auf einem großen Teil ihrer Winterware, ergab eine dpa-Umfrage.

Der Handel will daher in den kommenden Wochen noch einmal kräftig den Rotstift ansetzen, um die Lager zu leeren.

Es werde einen "fliegenden Start in den Schlussverkauf" geben, sagte der Sprecher des Branchenverbands HDE, Hubertus Pellengahr. Der Schlussverkauf dürfte nach Brancheneinschätzung in diesem Jahr länger als üblich dauern.

Vor allem bei Bekleidung und Schuhen hielten die frühlingshaften Temperaturen die Umsätze der Händler bisher auf Sparflamme. Lediglich in zwei Wochen des Weihnachtsgeschäfts sei Winterware gut verkauft worden, erklärte Pellengahr. "Der Rest war eher mau."

Textilhändler verzeichneten magere Umsätze bei Daunenjacken und Mänteln sowie Handschuhen, Schals und Mützen. "Gefütterte Winterstiefel sind natürlich nicht so gut gelaufen", sagte Ulrich Effing, Sprecher von Europas größtem Schuheinzelhändler Deichmann.

In den Baumärkten liegen vor allem Schneeschaufeln, Streusalz und Schlitten wie Blei in den Regalen. Bei den etwa 20 000 Reifenhändlern und Werkstätten in Deutschland stapeln sich rund drei Millionen Winterreifen. "Das Winterreifen-Geschäft ist gelaufen. Wir hatten mehr erwartet", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel, Hans-Jürgen Drechsler.

Nach der bislang vergeblichen Hoffnung auf einen kalten Winter wollen die Händler in den kommenden Wochen mit satten Rabatten auf ihre hohen Lagerbestände Platz für die Frühjahrsware schaffen. Im WSV werde es "Rabatte wie noch nie" geben, kündigte die Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandels in Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, an. Bei warmer Kleidung und Winterschuhen sei noch einmal mit Preisabschlägen von mehr als 60 Prozent zu rechnen, teilte der Hamburger Einzelhandelsverband mit.

Doch auch das schlechte Winter-Geschäft hat den meisten Händlern die Laune nicht völlig verdorben. Auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zum Jahreswechsel habe die Konsumfreude der Kunden nicht gedämpft, sagte der Sprecher der Baumarktkette Praktiker, Harald Günter.

"Wir verkaufen zurzeit außergewöhnlich viele Fenster. Normalerweise ist es im Januar zu kalt zum Austausch, aber bei zehn Grad ist das alles machbar", erklärte eine Sprecherin der Baumarktkette Max Bahr. Zudem erwarten die Baumärkte nach den Schäden des Orkantiefs "Kyrill" einen Ansturm auf Motorsägen, Bohrmaschinen und Baumaterialien aller Art. Nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte ist deshalb auch mit erhöhtem Absatz von Zäunen, Planen, Holz und Dachplatten zu rechnen.

Bei den Textilhändlern boomt C&A-Sprecher Thorsten Rolfes zufolge seit Wochen der Verkauf wetterunabhängiger Ware wie Pullover, Krawatten und Wäsche. Auch nach HDE-Einschätzung hat der Handel mögliche Umsatzeinbußen bislang gut kompensieren können. "Es wurde schon recht viel Frühjahrsware verkauft", sagte Verbandssprecher Pellengahr. Karstadt-Sprecher Michael Scheibe setzt unterdessen noch auf einen plötzlichen Wintereinbruch: "Die Saison ist ja noch nicht zu Ende, wir hoffen noch auf Schnee."

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