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Der schwäbische Milliardär Adolf Merckle (ratiopharm, HeidelbergCement) ist tot.

Selbstmord

Milliardär Merckle wirft sich vor Zug

Stuttgart/Blaubeuren - Er war einer der reichsten Männer Deutschlands – bis er sich an der Börse verzockte und sein Imperium mit 100 000 Mitarbeitern an den Rand des Zusammenbruchs führte. Am Montag hat sich der Ulmer Milliardär Adolf Merckle unweit seines Wohnorts Blaubeuren von einem Zug überfahren lassen.

Merckle war ein Kämpfertyp. „Mir ist fremd, etwas aufzugeben“, lautete sein Lebensmotto. Wenn die Wirtschaft um ihn herum in der Krise steckte, nutzte Merckle die Gunst der Stunde und baute sein Imperium durch günstige Zukäufe aus. 30 Milliarden Euro Umsatz macht seine Gruppe, zu der unter anderem der Pharmaproduzent Ratiopharm, Deutschlands größter Baustoffhersteller Heidelberg-Cement und der Pharmagroßhändler Phoenix gehören.

An der Bahnstrecke in Blaubeuren-Weiler der Milliadär Adolf Merckle am Montag (05.01.2009) seinem Leben ein Ende gesetzt.

In der Öffentlichkeit gab sich der verschwiegene schwäbische Clan-Chef eher bescheiden. Er machte nicht gern viel Aufhebens um seine Person – geschweige denn um sein Privatvermögen. Die Bewohner seiner Heimatgemeinde Blaubeuren sahen den Selfmade-Milliardär hin und wieder auf dem Fahrrad statt in einer Luxuslimousine durch den Ort fahren. Doch im Hintergrund hielt Merckle alle Fäden in der Hand, setzte Vertrauensleute an entscheidende Stellen, kontrollierte alles genau – und setzte sich immer durch. Dem Juristen wurde stets ein gutes Näschen für Geschäfte nachgesagt. Laut „Forbes“ war Merckle mit einem geschätzten Vermögen von 9,2 Milliarden Dollar der fünftreichste Mann Deutschlands.

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Die reichsten Deutschen

Doch dann verzockte sich der gewiefte Taktiker: Mit VW-Aktien verlor er bis zu einer Milliarde Euro. Fast zeitgleich verhagelte die Finanz- und Börsenkrise Merckle die Geschäfte. Die Banken forderten zusätzliche Sicherheiten für hohe Kredite – und Merckle steckte plötzlich in finanziellen Schwierigkeiten. Nach früheren Informationen aus Finanzkreisen beläuft sich der Finanzierungsbedarf auf 700 Millionen bis eine Milliarde Euro. Weitere Quellen sprechen davon, dass auf Merckles Holding VEM mindestens Schulden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Euro lasten. Die VEM hatte vor allem bei Heidelberg-Cement für auch auf Pump finanzierte Kapitalherhöhungen Aktien hinterlegt. Die Sicherheiten wurden infolge der Finanzmarktkrise immer weniger wert. Deshalb verlangten die Kreditinstitute Tilgungen und weitere Nachschüsse. Zur Absicherung fallender Kurse hatte die VEM auch Optionen auf Volkswagen-Aktien verkauft. Da deren Kurs aber in die Höhe schnellte, entstand ein hoher Millionenverlust.

Eigentlich war Merckle jedoch nach einem monatelangen Ringen mit den Gläubigerbanken auf der Zielgerade angelangt. Alle beteiligten gut 30 Banken unterzeichneten kurz vor dem Jahreswechsel eine Kreditstundung für die nächsten Monate. Merckle sollte dadurch mehr Zeit bekommen, um sein Imperium zu sanieren.

Aber der Preis wäre hoch gewesen: Merckle sollte sich von Filetstücken trennen, so die Forderung der Banken. Seinen Ulmer Generikahersteller Ratiopharm hätte Merckle auf lange Sicht verkaufen müssen. Auch sollte er seine Anteile an HeidelbergCement verlieren. Sein Lebenswerk hätte tiefe Kerben davongetragen. Der Druck der zähen Verhandlungen und die Aussicht, diesmal nicht als strahlender Sieger aus einem Streit hervorzugehen, haben ihn gebrochen, berichtete seine Familie. Adolf Merckle hatte mit seiner Frau drei Söhne und eine Tochter.

Marc Herwig und Berit Schmidt

Die Erklärung der Familie

Die Familie von Adolf Merckle hat am Dienstag den Freitod des 74-jährigen Unternehmers bestätigt. Hier die kurze Erklärung im Wortlaut:
„Adolf Merckle ist tot.
Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet.
Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet.“

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