Milliarden für Afrika, doch keiner sagt wann

Entwicklungshilfe: - Heiligendamm - Zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose sollen insgesamt 60 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden, beschloss der G-8-Gipfel in Heiligendamm. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte zudem, das Versprechen einer massiven Aufstockung der Entwicklungshilfe bis 2010 werde eingehalten.<br> Filmbericht: 60 Milliarden Dollar für Afrika

Die Botschaft von Heiligendamm für Afrika laute: "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden unsere Verpflichtungen auch erfüllen", sagte Merkel. Die G-8-Staaten hatten vor zwei Jahren im schottischen Glen-eagles zugesagt, die weltweite Entwicklungshilfe um jährlich 50 Milliarden Dollar zu erhöhen. Die Hälfte davon soll Afrika zugute kommen. Ein vielfach geforderter konkreter Zeitplan für die Aufstockung der Gelder wurde in Heiligendamm aber nicht vereinbart. Im Kampf gegen Aids stellen die USA 30 Milliarden Dollar zur Verfügung. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagte, Deutschland steuere bis 2015 vier Milliarden Euro bei, also 500 Millionen Euro jährlich.

 Filmbericht: 60 Milliarden Dollar für Afrika

"Ich kann garantieren, dass wir das umsetzen", betonte die Ministerin. Die 60 Milliarden Dollar sollen laut Gipfelerklärung "in den kommenden Jahren" bereitgestellt werden. Die G-8-Staaten sagten zu, eine Finanzierungslücke beim Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) in Höhe von sechs bis acht Milliarden Dollar bis 2010 zu schließen. Dazu soll im September eine Konferenz in Deutschland stattfinden. 1,8 Milliarden Dollar sollen für eine bessere Prävention der Aids-Übertragung von der Mutter auf das Kind aufgebracht werden. Die G8 wollen zudem Bildungsprogramme insbesondere für Mädchen unterstützen, die Wissen über Sexualität und die Verhütung sexuell übertragbarer Infektionen vermitteln.

Die Bundeskanzlerin sagte nach einer G-8-Arbeitssitzung mit afrikanischen Präsidenten, man habe auch Erwartungen an Afrika. Es müsse konkret überprüft werden, was erreicht worden sei. Dies werde Thema beim nächsten G-8-Treffen im japanischen Hokkaido sein. Der ghanaische Präsident John Kufour erklärte nach dem Treffen, Afrika sei bereit, seine Verpflichtungen zu erfüllen, damit es zu einer echten Partnerschaft komme.

Von den Nicht-Regierungsorganisationen kam Kritik an den Gipfelbeschlüssen. Nach Berechnungen von Oxfam bedeuten die 60 Milliarden Dollar für die Aids-Bekämpfung höchstens einen Zuwachs von drei Milliarden Dollar Entwicklungshilfe bis 2010. Die G8 würden auch dann noch ihr selbstgestecktes Ziel von Gleneagles um 27 Milliarden Dollar jährlich verfehlen. "Wir dürfen uns nicht von großen Zahlen verwirren lassen." Die Mittel im Kampf gegen Aids und Bildungsmangel seien zwar wichtig, aber nur ein kleiner Schritt, wo große Sprünge nötig wären. Die Kinderhilfsorganisation World Vision äußerte sich "zutiefst enttäuscht", dass frühere Zusagen aufgeweicht worden seien. "Versprechen waren leider nur Versprecher."

Die Deutsche Welthungerhilfe hat die Afrika-Beschlüsse der G-8-Staaten als Mogelpackung kritisiert. Die Erklärung beinhalte vor allem Absichtserklärungen und keine konkreten Zusagen. Damit falle sie in der Verbindlichkeit der Aussagen hinter die Erklärung von Gleneagles vor zwei Jahren zurück, sagt Entwicklungsexperte Ulrich Post der Welthungerhilfe.

U2-Sänger Bono hat die Afrika-Beschlüsse von Heiligendamm ebenfalls als völlig unzureichend kritisiert. Die G-8-Staaten hätten keinen nachvollziehbaren Zeitplan vorgelegt, wie sie die zugesagte Erhöhung der Afrika-Hilfe auf 25 Milliarden Dollar jährlich bis 2010 erreichen wollten.

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