Milliarden-Belastung durch Militär-Airbus

München - Wie erwartet schlägt auch die Verzögerung beim Militär-Airbus A400M auf die EADS-Konzernbilanz durch. Bis zu 1,4 Milliarden Euro Belastung räumt der Luft- und Raumfahrtkonzern ein. Es könnten aber auch noch mehr werden.

Sechs Monate später soll das Flugzeug nun kommen. Es können aber auch zwölf Monate Verspätung werden. Und selbst dies nur, wenn bei den weiteren Erprobungen alles glattgeht. Dabei ist das Flugzeug, das einmal die veraltete Transall ablösen sollte - anders als die verspätete A380 - kein Vorstoß in neue Dimensionen.

Modelle von Antonow (Ukraine) und Boeing (USA) kommen weiter und können schwerere Lasten transportieren und vor allem: Sie sind zu haben. Als Übergangslösung sind viele Armeen nun auf geleaste Modelle dieser Hersteller ausgewichen.

Aus dieser vorübergehenden  Bindung könnte durchaus noch etwas Dauerhaftes werden. Denn bei mehr als zehn Monaten Verzögerung kommt beispielsweise die Bundeswehr (mit 60 Flugzeugen der Hauptabnehmer) aus den Verträgen heraus. Das könnte für Sprengstoff sorgen.

Denn schon nach den jetzigen Plänen leistet der A400M nicht alles, was sich die Politiker erträumten. Er ist zwar anders als die direkten Konkurrenten in der Lage, auf relativ kurzen Gras- oder Lehmflächen zu starten und zu landen. Er ist damit gewissermaßen eine Art Unimog der Luft (wenn man die Konkurrenten als Lastzüge betrachtet).

Doch die Besteller erwarteten sich vom A400M, dass er den Schützenpanzer Puma in Krisengebiete transportieren kann. So ist er auch tatsächlich ausgelegt. Doch bei allen Flugzeugen schafft man die mögliche Zuladung nur mit Abstrichen bei der Tankfüllung. Mit einem einzigen Puma an Bord sinkt die Reichweite von eigentlich 8800 Kilometer auf knapp die Hälfte.

Einen Transporter für weltweite Krisen- und Hilfseinsätze hatten sich die Käufer anders vorgestellt. Doch diese Einschränkung stand von Anfang an im Kleingedruckten - wurde aber offenbar nicht wahrgenommen. So könnte es sein, dass weitere Verzögerungen für viele Länder ein willkommener Vorwand werden könnten, sich aus dem Projekt zu verabschieden.

Woran es hakt, ist nicht so ganz klar. Bereits früher war von Problemen - "unter anderem beim Triebwerk" - die Rede. Beschränkt man sich auf die möglichen Triebwerksprobleme, könnte eine Ursache die übliche zersplitterte europäische Arbeitsteilung sein. Die Hersteller Rolls-Royce, ITP, MTU und Snecma sind an der Motorenentwicklung beteiligt. Immerhin handelt es sich um das drittgrößte Propeller-Triebwerk der Welt.

Die beiden größeren aus Russland sind aber mit gegenläufig drehenden Propellern bestückt und deshalb nicht direkt vergleichbar. Der A400M überträgt pro Motor rund 10 000 PS auf achtblättrige Propeller mit 5,34 Metern Durchmesser - das entspricht der Höhe eines Einfamilienhauses.

Dabei sind schon die gegenwärtigen Belastungen für die EADS-Bilanz weit höher als bisher erwartet: "Obwohl die Berechnungen noch nicht abgeschlossen sind, erwartet EADS zusätzliche Ausgaben in Höhe von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro", teilte der Airbus-Mutterkonzern EADS mit.

Mehr als 1 Milliarde Euro Mehrausgaben werden allein bei Airbus erwartet. Dies sei die zum gegenwärtigen Programmstand bestmögliche Einschätzung. Sie umfasst die am 17. Oktober bekannt gegebene sechsmonatige Verzögerung sowie das Risiko einer weiteren Verschiebung um bis zu einem halben Jahr.

EADS hat deshalb die Gewinnprognose für 2007 ausgesetzt. Morgen mit der Veröffentlichung der Neun-Monats-Zahlen soll auch eine aktualisierte Prognose vorliegen.

Doch es kann alles auch noch schlimmer kommen: "Diese Zahlen beinhalten keine neuen möglichen Ergebnisse, die sich aus dem Flugtestprogramm, der Triebwerksentwicklung und militärischen Systemen ergeben könnten", räumte EADS in der Mitteilung ein.

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