1,7 Milliarden Euro für Sanierung: Mercedes schreibt rote Zahlen

- Sindelfingen - Neue Konzernlenker sind gut beraten, wenn sie es wie frisch ins Amt gekommene Regierungschefs halten: Schlechte Nachrichten verkündet man gleich. Das große Aufräumen und die schmerzlichen Einschnitte bringt man sofort hinter sich. Funktioniert der Plan und die Sanierung gelingt, steht man später umso glänzender da. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche gab bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz bekannt, dass Mercedes tief in die roten Zahlen gerutscht ist.

Betont ruhig und nüchtern nannte Zetsche die beiden Hauptursachen für das Minus von 505 Millionen Euro. Da ist die Sanierung von Smart, die das Ergebnis in Höhe von 1,1 Milliarden Euro belastet. Außerdem belastet wurde das Ergebnis von der Streichung von insgesamt 8500 Stellen an den deutschen Mercedes-Standorten, die Zetsche im September als eine seiner ersten Amtshandlungen als neuer Mercedes-Chef anordnete. Dies hat den Konzern im Jahr 2005 bereits 570 Millionen Euro gekostet. Alles in allem werden 950 Millionen Euro für den Personalabbau fällig.

Wie ein Damoklesschwert hängt ein weiterer dicker Batzen über der künftigen Ergebnisentwicklung. Zwei Milliarden Euro wird es den Konzern kosten, will er sich, wie angekündigt, von 6000 Managern und anderen Beschäftigten in der Verwaltung trennen. Diese Unsicherheit erklärt die auffallend vage und zurückhaltende Geschäftsprognose für dieses Jahr.

Ist in Sachen Personalabbau das Ende der Fahnenstange nun erreicht? "Nach meinen mathematischen Fähigkeiten komme ich auf 14 500, wenn ich 8500 und 6000 zusammenzähle", sagte Zetsche zu Medienspekulationen, dass in internen Planungen bereits die Streichung von insgesamt 22 000 Stellen erwogen wird. "Interne Planungen sind intern", beschied er knapp.

Klar ist, dass die weiteren Personalpläne von der künftigen Absatzentwicklung abhängen. Und da hat Mercedes zuletzt gegenüber dem Erzrivalen BMW - aber auch gegen Audi - schmerzlich an Marktanteilen eingebüßt. Und klar ist auch, dass der Abschluss bei den laufenden Tarifverhandlungen mit der IG Metall eine wichtige Rolle spielen wird. "Je niedriger, desto besser", sagte Zetsche.

Aber mit der professionellen Gelassenheit des erfolgreichen Sanierers, der schon Chrysler wieder auf Vordermann gebracht hat, lässt Zetsche keine Zweifel aufkommen, dass er der richtige Mann ist, auch bei Mercedes die Erträge wieder in den Griff zu bekommen. Das bereits vom früheren Mercedes-Chef Eckhard Cordes eingeleitete Sparprogramm zeigt nach Zetsches Worten erste Wirkung. Deshalb bekräftigte er das Ziel, die Umsatzrendite bis 2007 hinaufzuschrauben. "Mercedes ist und bleibt die wertvollste Premium-Automobilmarke der Welt. Auf dieser Basis wollen wir weiter wachsen", machte er sich und seinen Mitarbeitern Mut. Gelingt das, war die Bilanzpressekonferenz der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte von Daimler-Chrysler, der Beginn der Ära Zetsche.

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