Milliarden-Gewinne fließen ins Ausland

München - Deutsche Unternehmen haben heuer bestens verdient. Aktionäre werden deshalb von den höchsten Gewinnausschüttungen profitieren, die es je gab. Die Milliarden-Dividenden landen aber großteils nicht auf deutschen Konten. Denn die wichtigsten Konzerne sind mehrheitlich in ausländischer Hand.

Das neue Jahr wird einen neuen Rekord bringen: Die 30 Konzernriesen aus dem Deutschen Aktienindex werden 27,7 Milliarden Euro an ihre Aktionäre verteilen, erwartet die Landesbank Baden-Württemberg. Das wären vier Milliarden Euro mehr als heuer. Drei Viertel der Unternehmen von Adidas bis Volkswagen werden ihre Ausschüttung schätzungsweise erhöhen. Der Geldregen wird aber überwiegend im Ausland niedergehen. Denn dort sitzen großteils die Eigentümer der mächtigsten deutschen Konzerne.

Der Großinvestor Cevian Capital meldete sich Anfang Dezember zu Wort: Nachdem man etwa drei Prozent der Anteile der Münchener Rück gekauft habe und die Beteiligung aufstocken wolle, suche man das Gespräch mit dem Management. Man habe eine Liste "operativer, strategischer und finanzieller Veränderungen", die man umzusetzen gedenke, um den Aktienkurs zu steigern. Cevian Capital stammt aus Schweden. Im August hatte ein arabischer Investmentfonds angekündigt, massiv bei der Münchener Rück einsteigen zu wollen. Viele weitere haben das bereits getan. Nur gut 30 Prozent der Münchener-Rück-Aktien befinden sich bei deutschen Anlegern. Mehr als zwei Drittel werden von ausländischen Investoren kontrolliert, heißt es bei dem Münchner Traditionsunternehmen.

Bei der Deutschen Börse, Adidas und Bayer sollen es laut "Handelsblatt" rund 80 Prozent der Aktien sein, die in den USA, der Schweiz, Japan oder auch dem Nahen Osten liegen. Zwar sind diese Quoten schwer festzustellen. Denn nur Großaktionäre müssen ihren Besitz melden. Die regionale Verteilung der übrigen Anleger wird von den Unternehmen über Umfragen ermittelt (etwa bei MAN), geschätzt (Hypo Real Estate) oder bleibt unbekannt (Infineon). Doch deutet alles darauf hin, dass der überwiegende Teil der Dax-Aktien nicht in Deutschland gehalten wird.

Unter den acht Münchner Dax-Konzernen steht nur bei BMW fest, dass die Mehrheit im Inland liegt. Die Familie Quandt/Klatten hält 46,6 Prozent, institutionelle Investoren aus Deutschland wie Banken und Versicherungen weitere 6,3 Prozent. Da auch von den Kleinaktionären ein guter Teil aus Deutschland stammen dürfte, schätzt man bei BMW den Anteil ausländischer Investoren auf unter 40 Prozent.

"Wir predigen den Aktionären, ihre Anlagen breit zu streuen. Das machen ausländische Investoren auch", erklärt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktien-Institut (DAI). Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, verweist darauf, dass derselbe Effekt in Frankreich beobachtet wurde, wo die Mehrheit an den 40 Konzernriesen aus dem Cac 40 in ausländischer Hand liegt. Er sieht das Interesse ausländischer Investoren als positives Signal: "Der wachsende Anteil vor allem institutioneller Investoren zeugt von der Attraktivität der deutschen Unternehmen. Daran sieht man, dass man mit deutschen Konzernen Geld verdienen kann. Wir bedauern nur, dass viele deutsche Privatanleger das nicht erkennen."

Trotz fünf glänzender Börsenjahre in Folge und Rekorddividenden ist das Interesse deutscher Anleger an Aktien gering. Zwar ist die Zahl der Anleger, die Aktien besitzen, laut DAI im ersten Halbjahr leicht auf 4,3 Millionen gestiegen. Doch die Zahl der Aktienfonds-Besitzer sank um über eine halbe Million auf rund acht Millionen. Leven glaubt nicht, dass die Börsenscheu der Deutschen nachlässt. "Es wäre zwar gut, aber ich sehe keine Anzeichen dafür."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am Hauptstadtflughafen soll billiger gebaut werden
Der BER ist nicht fertig, aber schon zu klein. Daher wird der Ausbau geplant - jedoch für kleineres Geld als bisher. Flughafenchef Lütke Daldrup muss sich derweil Fragen …
Am Hauptstadtflughafen soll billiger gebaut werden
Flixbus übernimmt Fernbusgeschäft der österreichischen ÖBB
Berlin (dpa) - Der deutsche Marktführer Flixbus übernimmt Hellö, das Fernbusgeschäft der Österreichischen Bundesbahnen. Ab August sollen die Hellö-Linien in das …
Flixbus übernimmt Fernbusgeschäft der österreichischen ÖBB
Daimler forciert Elektro-Offensive: Batteriefabrik in Kamenz
Kamenz (dpa) - Der Autobauer Daimler forciert seine Elektro-Offensive und errichtet deshalb einen weltweiten Produktionsverbund für Batterien.
Daimler forciert Elektro-Offensive: Batteriefabrik in Kamenz
Dax leidet zu Wochenbeginn unter Euro-Stärke
Frankfurt/Main (dpa) - Der starke Euro hat dem Dax einen etwas leichteren Wochenstart eingebrockt. Nach einem wechselhaften Kursverlauf schloss der deutsche Leitindex …
Dax leidet zu Wochenbeginn unter Euro-Stärke

Kommentare