Alte Bekannte: Gestern sagte der ehemalige Chef der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt (Vordergrund), im Prozess gegen Rolf Breuer (hinten links) als Zeuge aus. dpa

Milliarden-Streit geht unverdrossen weiter

München - Auch nach dem Tod von Leo Kirch kämpfen seine Erben weiter gegen die Deutsche Bank um Milliarden. Gestern sah es erst nach einem Punktgewinn für die Bank aus - doch die Kirch-Seite scheint immer noch gute Chancen zu haben.

Was Richter Guido Kotschy gleich zu Beginn des Verhandlungstages vor dem Oberlandesgericht München sagt, klingt nach einer schallenden Ohrfeige für die Anwälte des verstorbenen Medienzaren Leo Kirch. Es gebe „keinerlei Anhaltspunkte“ dafür, dass der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, akribisch auf ein Interview vorbereitet wurde, in dem er die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt hat. Auch gebe es keine Belege, dass er die Antworten auswendig gelernt habe.

Das Oberlandesgericht untersucht, ob Breuer und die Deutsche Bank mit dem Interview Kirch vorsätzlich schädigen wollten. Das Interview, das Breuer bereits im Februar 2002 einem Fernsehsender gegeben hatte, soll Teil eines Plans gewesen sein, Kirch zur Zerschlagung seines Konzerns zu zwingen.

Zunächst klingt die These der Kirch-Anwälte nach einer Verschwörungstheorie: Breuer soll bei einem Treffen mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, dem ehemaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und dem inzwischen verstorbenen WAZ-Verleger Erich Schumann verabredet haben, die Kirch-Gruppe zu zerschlagen und die Teile unter sich aufzuteilen. Breuer soll deshalb das Interview gegeben und Kirch wenige Tage später angeboten haben, den Konzern unter dem „Schutzschild“ der Deutschen Bank neu zu strukturieren.

Was verwegen klingt, halten die Richter durchaus für möglich. Am Ende des gestrigen Prozesstages teilte das Gericht mit, dass sich an der Einschätzung der bisherigen Aussagen und Beweise nichts geändert habe. Auch wenn Breuer die Antworten wohl nicht auswendig gelernt habe, glauben die Richter nicht, dass es sich bei dem Interview nur - wie von Breuer behauptet - um einen „Unfall“ gehandelt habe. So wurde es gestern doch nichts mit dem Punktsieg für die Deutsche Bank.

Zuvor war Breuer selbst erneut vom Gericht zur Vorgeschichte des Interviews befragt worden. Breuer räumte ein, dass bei Kanzler Schröder auch über Kirch gesprochen worden sei und Schumann Interesse an Kirchs Beteiligung am Springer-Verlag geäußert habe. „Es ist natürlich diskutiert worden, ob die Kirch-Gruppe noch zu retten ist“, sagte Breuer. Er sei wohl zu dem Gespräch hinzugezogen worden, weil die Deutsche Bank ein Pfandrecht auf die Springer-Anteile gehabt habe. Allerdings habe die Bank noch nicht darüber verfügen können. Es sei bei dem Treffen erörtert worden, „ob nicht eine Zerschlagung, also ein Verkauf von Aktiva, der Kirch-Gruppe helfen könnte“, erinnert sich Breuer. Er habe sich aber grundsätzlich „zugeknöpft“ verhalten. „Unterschwellig hätten natürlich die anderen Teilnehmer gerne gehört, dass die Deutsche Bank einen Hilfsbeitrag leistet.“

Die Kirch-Seite behauptet außerdem, dass die Zerschlagung der Gruppe auch bei einem Treffen von Spitzenbankern am 14. Februar 2002 in Frankfurt besprochen wurde. Um das zu klären, musste gestern der ehemalige Chef der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt, aussagen. Es habe sogar zwei Bankentreffen an diesem Tag gegeben, sagte Schmidt. Er sei aber bei keinem dabei gewesen. Was der Vertreter der Bank ihm von dem Treffen in Frankfurt berichtet habe, wisse er nicht mehr. Beim anderen Treffen in Ismaning habe Kirch-Manager Dieter Hahn erklärt, dass der Konzern mehr Geld brauche. Die Situation der Gruppe sei extrem schwierig gewesen. „Das Interview war sicherlich nicht wirklich entlastend für die Situation“, sagte Schmidt. Schon heute sollen weitere ehemalige Spitzenbanker befragt werden, was in Frankfurt besprochen wurde. Außerdem hat das Gericht neue Gutachten in Auftrag gegeben. Es wird noch ein langer Prozess.

Von Philipp Vetter

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