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Wegen eines aufkommenden Zyklons verlassen Menschen in Bangladesch ihr Dorf: Nach Schätzungen der Swiss Re sind in den letzten zehn Jahren nur 30 Prozent der ökonomischen Naturkatastrophen-Schäden durch Versicherungen gedeckt gewesen. Foto: Abri Abdullah/Archiv

Milliarden Unversicherte: Branche feilt an Lösungen

Klimawandel und Naturkatastrophen bedrohen oft die Ärmsten der Welt. Die Versicherer arbeiten deshalb an Klimawandel-Versicherungen. Angesichts von Milliarden Unversicherten ein lukratives Geschäft.

Kuala Lumpur (dpa) - Entwicklungsländer sind besonders verwundbar für Naturkatastrophen - und zugleich kann sich dort kaum jemand Versicherungsschutz leisten.

Große Versicherer arbeiten deshalb schon seit Jahren an Klimaversicherungen und anderen Lösungen, um beispielsweise Bauern vor den oft existenzbedrohenden Folgen schwerer Unwetter und anderer Naturgefahren zu schützen. Für die Branche selbst ist das durchaus ein interessantes Geschäft, wie Ivo Menzinger vom Rückversicherer Swiss Re der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Kuala Lumpur sagte.

Rund vier Milliarden Menschen weltweit haben nach Schätzungen der Swiss Re keinerlei Versicherungsschutz. Das Unternehmen experimentiere deshalb mit bezahlbaren Mikroversicherungen und Klimaversicherungen für Staaten, sagte Menzinger, der die Abteilung "Global Partnerships" bei dem Unternehmen leitet. Mit ein paar Dutzend Ländern und Lokalbehörden seien Verträge schon geschlossen worden.

"Viele Schäden etwa an Infrastruktur und Staatseigentum sind nicht versichert, und die Staaten müssen auch Leuten unter die Arme greifen, die es sich gar nicht leisten können, am Versicherungsmarkt teilzunehmen", sagte Menzinger. "Das heißt: zahlen müssen die Finanzminister sowieso, etwa, indem sie Schulden aufnehmen oder Budgetposten verschieben. Deshalb sagen wir: statt hinterher nachzudenken, wie das Loch zu stopfen ist, spricht viel dafür, einen Teil der Kosten durch Versicherungen vorzufinanzieren." 

Nach Schätzungen der Swiss Re, weltweit zweitgrößter Rückversicherer hinter der deutschen Munich Re, sind in den vergangenen zehn Jahren nur etwa 30 Prozent der ökonomischen Naturkatastrophen-Schäden durch Versicherungen gedeckt gewesen. Die Swiss Re sehe dies als Chance für kommerziell erfolgreiche Geschäfte, betonte Menzinger. Es gehe nicht um Wohltätigkeitsaktivitäten des Unternehmens.

Um die Kosteneffizienz zu steigern, würden Auszahlungen an Parameter gebunden, bei Überflutungen etwa an die gefallene Regenmenge oder bei Taifunen an die Windgeschwindigkeit. Es gebe keine individuellen Schadensbeurteilungen mehr. "Das geht viel schneller, man kann in zwei bis vier Wochen Auszahlungen machen." Zweimal wurde die Swiss Re schon zur Kasse gebeten: 2014 und 2015 bei Taifunen in Tonga und Vanuatu im Pazifik. Im Fall von Mikroversicherungen etwa für Bauern könnten Policen mit einem Sack Saatgut angeboten werden.

Auch die Munich Re sieht Versicherungslösungen für Entwicklungsländer als Zukunftsmarkt und arbeitet dabei mit Entwicklungsbanken und -organisationen zusammen. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen an staatlichen Versicherungspools für afrikanische Länder sowie Inselstaaten in der Karibik und im Pazifik beteiligt. Neben der schnellen Finanzierung von Nothilfe für die Bevölkerung und bei den notwendigen Aufräumarbeiten könnten solche Lösungen auch indirekt dazu beitragen, dass bessere Prävention betrieben wird um etwa schwere Überschwemmungen zu vermeiden, erklärte das Unternehmen. Über den zum Konzern gehörenden Erstversicherer Ergo bietet die Munich Re zudem Mikroversicherungen in Indien an.

Auch Swiss-Re-Manager Menzinger geht davon aus, dass solche Versicherungen auch den Aufbau von Schutz- und Vorsorgemaßnahmen gegen Schäden beflügeln. "Wenn das Risiko fällt, fallen auch die Prämien", meint er.

Swiss Re zu Global Partnerships

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