21 Milliarden weniger Kaufkraft

- Die Deutschen müssen den Gürtel ab dem 1. Januar 2007 einmal mehr enger schnallen. Denn mit der Einigung der künftigen Regierungskoalition, die Mehrwertsteuer zu diesem Datum von 16 auf 19 Prozent zu erhöhen, werden die Preise für viele Waren und Dienstleistungen steigen. Handel und Handwerk fürchten deswegen sinkende Umsätze, Schwarzarbeit und Jobabbau.

Vor allem der angeschlagene Handel ließ am Freitag durchblicken, dass die beschlossene Steuererhöhung zumindest teilweise an die Verbraucher weitergegeben werden muss. "Daran wird kein Weg vorbeiführen", sagte auf Nachfrage Jürgen Homeyer, Sprecher des Metro-Konzerns, zu dem unter anderem die Ketten Galeria Kaufhof, Media Markt und Praktiker gehören. Die Gewinnspannen seien so gering, dass es keinen Spielraum gebe, die Preise bei 19-prozentiger Mehrwertsteuer auf ihrem jetzigen Niveau zu halten, so Homeyer.

Ähnlich äußerten sich die Hauptgeschäftsführer der bayerischen Handelsverbände. "Die Mehrzahl der Geschäfte wird draufschlagen müssen", sagte Bernd Ohlmann vom Landesverband des bayerischen Einzelhandels (LBE) gegenüber unserer Zeitung. Er verwies auf die seit drei Jahren rückläufigen Handelsumsätze in Deutschland. Georg Hiltner vom Verband BAG meinte: "Die Produkte werden sich längerfristig verteuern." Dies gilt vermutlich jedoch nicht für Lebensmittel oder Zeitschriften, für die weiterhin der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gelten soll.

Die Konsumenten müssen künftig aber nicht nur mehr Geld zum Einkaufen mitnehmen; auch die Handwerksrechnungen dürften höher ausfallen. Die Branche leidet wie der Handel seit längerem unter der trüben Binnennachfrage. Eine Steuererhöhung müsse deshalb wegen der geringen Margen wohl zumindest von einigen Betrieben weitergegeben werden, wie ein Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern sagte. Er befürchtet deswegen eine weiter Zunahme bei der Schwarzarbeit.

Verbrauchern wird empfohlen, Maler, Maurer und Schreiner im Bedarfsfall noch rechtzeitig vor der Erhöhung einzubestellen. Und auch bei hochpreisigen und langlebigen Gütern sollten sie noch vor dem Stichtag zuschlagen. "Das ist auf jeden Fall zu empfehlen", sagte Metro-Sprecher Homeyer. Man könne auf hundert Euro etwa drei sparen.

Beispielsweise wird ein Auto, das heute für 25 000 Euro inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer verkauft wird, ab 2007 rund 650 Euro mehr kosten. Für einen Fernseher, der jetzt für 1000 Euro zu haben ist, würden 1025 Euro fällig.

Autos und Möbel: Vor Stichtag zuschlagen

Fachleute erwarten, dass die Bürger diesen Rat befolgen und es deswegen vor allem im vierten Quartal 2006 zu einem Nachfrageschub kommt. Dies sei aber nur ein "Strohfeuer", sagte Bernd Ohlmann. Danach würden die Konsumausgaben umso stärker sinken. Eine Daumenregel besagt, dass ein Prozent mehr Mehrwertsteuer der Bevölkerung sieben Milliarden Euro Kaufkraft abzieht. Ohlmann bezeichnete die Erhöhung deswegen als "Konsumkiller". Auch Georg Hiltner kritisierte: "Die ohnehin stark lahmende Binnennachfrage wird so nur noch weiter geschwächt."

Der Handel rechnet damit, dass dadurch vor allem kleinere Geschäfte belastet werden und sich der Stellenabbau in der Branche fortsetzt.

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