Milliarden für Zyperns Wiedervereinigung

- Nikosia - Am 24. April wird sich entscheiden, ob die Insel Zypern ganz oder ohne den türkisch besetzten Norden in die Europäische Union kommt. Die internationale Gemeinschaft will zwei Milliarden Euro Hilfe aufbringen, wenn griechische und türkische Zyprer am Samstag für die Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel stimmen. EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen sagte, er sei sicher, dass das Geld zusammenkommen werde. Die USA kündigten an, 400 Millionen US-Dollar bereitzustellen. Die Mittel sollen über fünf Jahre fließen. Zypern ist seit 30 Jahren geteilt. Sollte eine der beiden Volksgruppen den Plan der Vereinten Nationen ablehnen, wird kein Geld fließen. Sollten die Referenden zu einer Wiedervereinigung führen, wird eine weitere Geberkonferenz einberufen. Andrew Natsios von der US-Agentur für Internationale Entwicklung mahnte die Zyprer, ihre Verantwortung zu erkennen. Die USA werden insgesamt 400 Millionen Dollar bei einem positiven Ergebnis der Referenden am 24. April geben. Davon sollen 100 Millionen Dollar als Soforthilfe fließen.

<P>Allein um etwa 18 000 Haushalten die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen, will die internationale Gemeinschaft bis zu 1,1 Milliarden Euro ausgeben. Der türkische Teil der Insel ist im Verhältnis zum griechischen arm. Der UN-Plan sieht die Bildung einer Föderation aus zwei Teilstaaten vor, einem griechisch-zyprischen im Süden und einem türkisch-zyprischen im Norden.<BR><BR>Einerseits wollen die als reich geltenden Griechen Zyperns die Wiedervereinigung der Insel, andererseits fürchten sich viele im Süden vor den Folgen eines Zusammenschlusses. Obwohl eine politische Lösung noch nicht in Sicht ist, werden schon Parallelen zur Wiedervereinigung Deutschlands gezogen. Der Nord-Süd-Vergleich lässt keinen Zweifel: Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt von 10 542 Euro haben die griechischen Zyprioten nach Angaben ihres Wirtschaftsministeriums in Nikosia-Süd etwa 75 Prozent des Durchschnittseinkommen der Europäischen Union. Damit verdienen sie mehr als die Bürger Griechenlands, die seit 1981 zur EU gehören und 68 Prozent des Durchschnittseinkommens der Union erreichen. Die türkischen Zyprioten kommen schätzungsweise auf ein Viertel des Einkommens der Bewohner des südlichen Inselteils.<BR><BR>Nach der Teilöffnung der Trennungslinie im April 2003 kommen täglich etwa 4000 Türken zur Arbeit in den Süden der Insel. "Ich verdiene hier im Süden in zwei Tagen das, was ich in einer Woche im Norden bekommen würde", schildert ein Bauarbeiter aus dem Nordteil Nikosias, der letzten geteilten Hauptstadt der Welt, seine Einkommenssituation.<BR><BR>Für Brüssel tritt die Wirtschaft Zyperns angesichts anderer Probleme in den Hintergrund, zumal sie weniger als ein Hundertstel der gesamten EU-Wirtschaft ausmachen dürfte. <BR><BR>Sollte die Teilung der Insel bis zum 1. Mai 2004, dem Beitrittstermin Zyperns zur EU, nicht überwunden werden, wird das Regelwerk der Union nur im Süden gelten. In diesem Fall plant die Regierung, den Euro innerhalb von zwei bis drei Jahren einzuführen.<BR></P>

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