Milliardendeal soll keine Stellen kosten - Deutsche Bank steigt be ...

Die Deutsche Bank wird größter Aktionär der Postbank und kann in einem zweiten Schritt die Kontrolle über die Post-Tochter übernehmen. Marke, Zentrale und Management bleiben unverändert. Es sollen weder Filialen geschlossen noch Arbeitsplätze abgebaut werden.

Die Deutsche Bank übernimmt nach der vom Post-Aufsichtsrat am Freitag gebilligten Vereinbarung zunächst 29,75 Prozent der Postbank-Anteile. Der Preis beträgt 2,79 Milliarden Euro oder 57,25 Euro je Aktie. Das bedeutet einen Aufschlag von 35 Prozent auf den Aktienkurs der Postbank vom 4. September, dem letzten Tag vor dem Aufkommen "konkreter Gerüchte" über den Deal, wie die Post AG erläuterte. Erst vor knapp zwei Wochen hatte die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank perfekt gemacht und war damit zum großen Konkurrenten Deutsche Bank aufgerückt.

Der Verkauf des Aktienpakets erfolgt vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichts- und Kartellbehörden und soll im ersten Quartal 2009 vollzogen werden. Später soll die Deutsche Bank auch die restlichen Anteile der Post AG übernehmen können. Dafür wurden gegenseitige Optionen vereinbart, die frühestens nach einem Jahr ausgeübt werden können und längstens drei Jahre gelten. Die Post AG hielt bisher 50 Prozent plus eine Aktie an ihrer Tochter.

Post-Vorstandschef Frank Appel erklärte, mit dem jetzt eingeleiteten Ausstieg aus der Bankindustrie könne sich die Deutsche Post AG vollständig auf das Brief- und das Logistikgeschäft konzentrieren. Ackermann erklärte, zwischen beiden Geldhäusern sei eine attraktive Kooperation vereinbart, die 30 Millionen Kunden weltweit erreichen könne.

Personalabbau, Standortschließungen und Restrukturierung "stehen nicht zur Debatte", betonte Ackermann. Zugleich sagte er, die Option auf die Übernahme der Mehrheit an der Postbank habe für die Deutsche Bank zwar einen hohen Wert, es sei aber noch nicht entschieden, ob sie auch tatsächlich ausgeübt werde.

Postbank und Deutsche Bank wollen den Angaben zufolge in der nächsten Zeit ihre teilweise schon bestehenden Kooperationen zum Beispiel bei Immobilienfinanzierungen und Investmentprodukten ausbauen. Hier sähen beide Partner ein "beträchtliches Ertragspotenzial", hieß es. Außerdem verlängert die Post AG ihren Mietvertrag für die 850 großen Filialen der Postbank über 2012 hinaus. Gleiches gelte für die Zusammenarbeit in etwa 5000 weiteren Poststellen, hieß es.

Mit der Entscheidung ging die spanische Großbank Santander leer aus, die sich ebenfalls um die Übernahme der Postbank beworben hatte. Deutsche Bank und Postbank verfügen zusammen über rund 24,2 Millionen Privatkunden in Deutschland. 14,5 Millionen davon bringt die Postbank ein, 9,7 Millionen die Deutsche Bank.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kündigte an, die Bundesregierung werde von ihrem Recht, ein Veto gegen den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank einzulegen, keinen Gebrauch machen. "Im Sinne der von mir auch für notwendig gehaltenen Konsolidierung des deutschen Bankensektors halte ich das für eine gute Entwicklung", sagte Steinbrück.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis kritisierte den Teilverkauf der Postbank als "nicht nachvollziehbar" und als "Kniefall vor den Interessen der Aktionäre". Mittelfristig gerate eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in Gefahr.

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