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Das Konsortium um die australische Bank Macquarie soll Konzernkreisen zufolge den Zuschlag für das Gasnetz von Eon Ruhrgas bekommen.

Milliardendeal: Eon verkauft Gasnetz

Düsseldorf - Finanzinvestoren übernehmen von deutschen Energiekonzernen große Teile der Fernleitungen für Strom und Gas. Damit bekommen die Versorger neuen Spielraum für die Bewältigung der Energiewende.

Europas wichtigstes Gasnetz für die Versorgung von 40 Millionen Haushalten in Deutschland und Nachbarländern wechselt den Besitzer. Der Energieriese Eon verkauft seine 12 000 Kilometer langen Pipelines für 3,2 Milliarden Euro an eine Gruppe von Finanzinvestoren, wie der Düsseldorfer Konzern am Mittwoch mitteilte.

Für Eon ist der Verkauf ein großer Schritt beim Schuldenabbau. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Nötig ist grünes Licht von Bundeskartellamt und Bundeswirtschaftsministerium.

Zu dem Erwerberkonsortium um die australische Bank Macquarie gehört neben Investoren aus Kanada und Abu Dhabi auch der deutsche Versicherungsriese Munich Re/Ergo. Für Investoren aus der Finanzwelt bieten die Eon-Fernleitungen zum Transport von Erdgas aus Russland, Norwegen und den Niederlanden attraktive und stabile Erträge.

Eon Ruhrgas hatte das Netzgeschäft 2010 auf Druck der Europäischen Kommission vom Gashandel getrennt und in die eigenständige Tochter Open Grid Europe (OGE) ausgegliedert, die jetzt verkauft wird. Durch die ein bis zwei Meter dicken und unterirdisch verlaufenden Rohrleitungen fließt jährlich ein Volumen von 660 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Die Essener Gesellschaft OGE hat 1600 Mitarbeiter und beliefert 450 nationale und internationale Kunden. Das Fernleitungsnetz gilt mit seinen Pipelines in Ost-West-Richtung sowie in Nord-Süd-Richtung als die Drehscheibe für Gas in Europa.

Der Verkauf des Eon-Ferngasnetzes hat nach Einschätzung von Aktionärsschützern keine direkte Auswirkungen auf die Verbraucher. Bei Stromfernleitungen gebe es allerdings großen Investitionsbedarf, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Thomas Hechtfischer. “Wie kriegt man den Strom von den Windparks an der Küste dahin, wo er gebraucht wird.“ Bei den Stromnetzen stünden Finanzinvestoren als neue Eigentümer in der Verantwortung. Neben Kapital gehe es um erforderliche Genehmigungen.

Die Trennung vom Ferngasnetz ist Teil eines Verkaufsprogramms bei Eon, um Schulden abzutragen. Damit können auch Belastungen aus dem deutschen Atomausstieg besser verkraftet werden. Die Verkaufspläne hatte Eon-Chef Johannes Teyssen aber schon vor der energiepolitischen Wende angekündigt. Von 15 Milliarden Euro, die Eon bis Ende 2013 mit Verkäufen erlösen will, seien jetzt über 12 Milliarden Euro erreicht.

Verkauft hat Eon bereits ein britisches Stromnetz, eine Beteiligung am russischen Gasriesen Gazprom sowie ein italienisches Gasnetz. Geplant ist auch der Verkauf Eon Energy from Waste, dem Geschäft mit Müllverbrennungsanlagen. Laut Finanzvorstand Markus Schenck war Eon dort zuletzt noch nicht ganz so weit. Berichten zufolge haben Interessenten Angebote von bis zu 1,5 Milliarden Euro abgegeben, Eon soll ursprünglich 2 Milliarden Euro angestrebt haben. Eon mit Sitz in Düsseldorf ist der größte deutsche Energiekonzern.

Zu Macquarie passt der Kauf des Eon-Gasnetzes, da die Australier Ende 2010 schon das Gasfernleitungsnetz von RWE übernommen hatten. Der Vermögensverwalter von Munich Re/Ergo, Meag, hatte sich 2011 bereits am Höchstspannungsnetzbetreiber Amprion beteiligt, der aus dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern RWE hervorgegangen ist.

dpa

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