Milliardengeschäft mit Emotion: Deutschlands Christkindlmärkte

- München - Der Duft von Glühwein, Bratäpfeln und Zimtsternen lockt in den Wochen vor dem Fest Millionen Menschen in die Innenstädte. Doch nicht nur die Budenbesitzer mit ihrem Angebot an Krippen, Christbaumschmuck, Töpferwaren und süßem Allerlei profitieren alljährlich von dem bunten Treiben. Die vielen Christkindlmärkte lassen auch die Kassen von Hotels, Gaststätten und Einzelhändlern kräftig klingeln. Die Märkte sind in Deutschland ein Milliardengeschäft.

<P>Fast fünf Milliarden Euro werden alljährlich auf den rund 2500 Christkindlmärkten in Deutschland erwirtschaftet, darin eingerechnet, was Gastronomie und umliegende Geschäfte einnehmen. Einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Schausteller und Marktkaufleute zufolge gibt jeder Weihnachtsmarktbesucher durchschnittlich 31,14 Euro aus - davon fließen rund neun Euro in die Kassen des Einzelhandels. Die Märkte sind zudem nicht unbedeutende saisonale Arbeitgeber: Jahr für Jahr arbeiten auf ihnen rund 188 000 Menschen.<BR><BR>Mehr als 160 Millionen Besucher lassen sich alljährlich von Bratwurst- und Lebkuchenduft anlocken. Deutschlands ältester Weihnachtsmarkt, der Dresdner Striezelmarkt, rechnet wieder mit rund zwei Millionen Besuchern aus dem In- und Ausland. Auch auf dem traditionsreichen Nürnberger Christkindlesmarkt, dem "Städtlein aus Holz und Tuch", werden sich bis Heiligabend mindestens zwei Millionen Menschen tummeln, rund 100 000 übernachten in der Stadt. In Oberbayern lockt eine Vielzahl von Märkten die Besucherscharen: Ob in München, wo es auch eigene Stadtteil-Märkte gibt, oder in Bad Tölz und Andechs.<BR><BR>"Weihnachtsmärkte sind Publikumsmagneten", freut sich der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Das Christfest sei traditionell sehr stimmungsvoll und emotionsbeladen. Mit der Eröffnung der Märkte werde immer der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft gegeben. Gerade in der wirtschaftlich eher flauen Jahreszeit seien die Weihnachtsmärkte ein wichtiger Wirtschafts- und Imagefaktor für die Städte, heißt es beim deutschen Tourismusverband. Jedes Jahr kämen mehr Touristen aus dem Ausland, vor allem aus den angrenzenden Ländern. "Die Weihnachtsmärkte sind mittlerweile ein wichtiges Highlight im Deutschlandtourismus", betont Verbandssprecherin Nicole Habrich.<BR><BR>Deutsche Weihnacht entwickelt sich auch zum Exportschlager. So können Amerikaner in der Chemnitzer Partnerstadt Akron im US-Bundesstaat Ohio erstmals einen Weihnachtsmarkt mit Plauener Spitze, Nussknackern und gebrannten Mandeln erleben. In Neu-Delhi schenken Diplomaten in Nikolausmützen und Engelszöpfen bei warmen 25 Grad Außentemperatur auf einem Weihnachtsmarkt nicht Glühwein, sondern kühles Bier aus. Die Einnahmen kommen Kindern in Slums zu Gute. Und die Sachsen bieten Dresdner Christstollen, Pulsnitzer Lebkuchen und Herrnhuter Sterne international auf einem virtuellen Weihnachtsmarkt im Internet an.<BR><BR>Einen Trend zu mehr Qualität beobachtet der Schaustellerverband. Statt Bratwurst und Socken seien immer mehr hochwertiger Weihnachtsschmuck gefragt, berichtet Verbandschef Hans-Peter Arens. Zudem bekommen die Märkte zunehmend Event-Charakter. Dort treffen sich Leute, um mit ihrem Büro die Weihnachtsfeier auszurichten oder den eigenen Geburtstag am Glühweinstand zu feiern. Wichtig sei aber das Wetter: "Es muss trocken und nicht zu kalt und nicht zu mild sein", betont Arens.<BR><BR>Für den rheinländischen Volkskundler Berthold Heinzmann sind die Weihnachtsmärkte "Symbol deutscher Gemütlichkeit." Und das nicht nur für viele Italiener, Holländer und Engländer, die per Bus oder Billigflieger ins Land strömen. Auch für Deutsche sei dies ein Ort für einen "gemütlichen Plausch mit Freunden und Bekannten". Die vielfältigen Gerüche und das warme Licht brennender Kerzen lösten Wohlgefühle aus und weckten Kindheitserinnerungen.<BR><BR></P>

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