Milliardengrab: Schwarzarbeit nimmt in Deutschland drastisch zu

- Berlin - Schwarzarbeit in Deutschland boomt. Erstmals seit drei Jahren verzeichnet die Schattenwirtschaft wieder Zuwachsraten. Die Zahl der Schwarzarbeiter hat sich seit 2004 mehr als verdoppelt. Am meisten betrogen wird bei Dienstleistungen und im Handwerk.Die nebenberufliche Schwarzarbeit ist in Deutschland nach einer aktuellen Umfrage so weit verbreitet wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Jeder Fünfte hat im letzten Jahr schwarz gearbeitet - und das durchschnittlich mehr als sechs Stunden pro Woche. Rund 30 Prozent der volljährigen Bevölkerung haben für Schwarzarbeit bezahlt, wie eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ermittelte. Damit sind keine professionellen kriminellen Machenschaften gemeint, vielmehr sei "nebenberufliche Schwarzarbeit ein Massenphänomen", so der Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz.

Knapp 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden jenseits der offiziellen Regeln erwirtschaftet, so Schneider in seiner Prognose für das Jahr 2007. Das entspricht einer Steuersumme von knapp 350 Milliarden Euro, die dem Staat deshalb durch die Lappen gehen. Klar ist aber auch, dass rund die Hälfte der schwarz verrichteten Dienste nicht in Anspruch genommen würden, gäbe es keine Schwarzarbeit. Eine Eins-zu-eins-Rechnung geht also nicht auf.

Gründe für Schwarzarbeit gibt es viele. Am meisten ins Gewicht fallen jedoch die als zu hoch empfundenen Arbeitskosten. Am Beispiel der Arbeitsstunde eines Handwerkers wird das Problem deutlich: Von 52,36 Euro, die ein Monteur in der Stunde verlangt, müssen 8,36 Euro Mehrwertsteuer abgezogen werden. Weitere 11,47 Euro gehen als Lohnzusatzkosten ab. 18,33 Euro verschlingen die sogenannten Gemeinkosten, also Miete, Auto, Marketing und Verwaltungskosten. Insgesamt macht das mehr als ein Drittel des vom Kunden verlangten Preises aus.

"Fünf bis sieben eigene Arbeitsstunden muss ein Handwerker erwirtschaften, um sich einen regulär bezahlten Kollegen leisten zu können", rechnet Schneider vor.

Für 55 Prozent der Deutschen ist die Entwicklung der Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge der Hauptgrund, den Fiskus bei der Beschäftigung von Handwerkern und Hausangestellten zu betrügen. Besonders die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent fördert nach Ansicht der Befragten die Schwarzarbeit.

Zwar sind die Arbeitskosten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im dritten Quartal 2006 lediglich um 1,3 Prozent gestiegen, der Gesamtanstieg in der Europäischen Union war mit einem Plus von 2,6 Prozent doppelt so hoch. Gleichwohl ist die Steuermoral der Deutschen mit Anhebung der Mehrwertsteuer gesunken. Lediglich 22 Prozent der Bürger betrachten Steuersünder laut der Umfrage überhaupt als Betrüger.

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