Milliarden-Monopoly: Die größten Börsen der Welt kämpfen um Macht

- München - Die sechs größten Börsen der Welt kämpfen um die Macht. Im weltweiten Milliarden-Monopoly wird gekauft, gezockt und spekuliert. Für Anleger ist es das reine Vergnügen. Allein gestern katapultierte ein strategischer Zug aus den USA den Wert der Deutschen Börse AG um über eine Milliarde Euro nach oben.

Mehr Handel und höhere Gebühren - nur so können die Börsenbetreiber ihre Gewinne weiter steigern. Dafür versuchen sie sich mit Übernahmen und Fusionen in Position zu bringen.

Die mächtige NYSE

Der mächtigste Akteur ist die New Yorker Börse (NYSE), die im vergangenen Jahr Aktien im Wert von über 14 Billionen US-Dollar (knapp 12 Billionen Euro) handelte. Sie vollendete in der vergangenen Woche zwei wichtige Züge: Sie schloss sich mit dem elektronischen Wertpapiermarkt Archipelago zusammen und brachte sich selbst an die Börse. Ein weiterer Kraftakt steht aus. NYSE-Chef John Thain ist an einer Allianz mit einer europäischen Börse interessiert. Und der Antrieb, ein transatlantisches Bündnis zu schmieden, dürfte nun gestiegen sein. Denn die benachbarte Nasdaq konkretisiert solche Pläne schon.

Die aktive Nasdaq

Die US-Technologiebörse Nasdaq ist mit einem Handelsvolumen von 10 Billionen Dollar die Nummer zwei der Welt. Und sie schickt sich an, Boden gutzumachen. Dafür will sie die Londoner Börse (LSE, Handelsvolumen knapp 6 Billionen Dollar und Nummer drei) übernehmen. Die Nasdaq bietet rund 3,5 Milliarden Euro für die LSE und könnte damit zum Zug kommen, obwohl sich die Londoner im vergangenen Jahr schon zwei Übernahmen verweigert hatten. Offiziell lehnte die LSE zwar auch dieses Angebot als zu niedrig ab, doch laut US-Presseberichten wollen beide Unternehmen bald Fusionsverhandlungen aufnehmen. "Es gab noch kein Angebot für die LSE, das so große Chancen hatte", glaubt Konrad Becker, Analyst des Münchner Bankhauses Merck Finck. Die Fusion sei längst nicht ausgemachte Sache, aber die Offerte liege "sehr hoch" und die sprachlich-kulturellen Barrieren zwischen New York und London seien vergleichsweise gering. Die Deutsche Börse war mit ihrem Angebot im März vergangenen Jahres ebenso gescheitert wie im Dezember die australische Investmentbank Macquarie.

Die drei Europäer

Mit ihrem Angebot für die LSE verstärkt die Nasdaq die Unruhe der großen europäischen Börsenbetreiber. Dies sind neben den Londonern die Vierländerbörse Euronext (Nummer fünf mit einem Handelsvolumen von knapp drei Billionen Dollar), zu der die Handelsplätze Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon gehören, sowie die Deutsche Börse (Nummer sechs, Handelsvolumen knapp 2 Billionen Dollar) in Frankfurt. Nachdem es der Deutschen Börse nicht gelang, mit der LSE einen europäischen Block zu bilden, steht nun eine Fusion mit der Euronext im Raum. Durch die Übernahmepläne der Nasdaq für die LSE könnten die beiden anderen Europäer unter Druck stehen, sich zu verbünden, glaubt Analyst Becker. "Wenn es dazu käme, müssten sich die anderen überlegen, wie sie sich dazu stellen wollen", erklärt er. Und diese Erwägungen führen in eine Fusion, spekulieren viele Aktionäre. Der Kurs der Deutschen Börse AG schnellte gestern zwischenzeitlich über zehn Prozent in die Höhe auf fast 116 Euro. Damit stieg der Börsenwert des Unternehmens zeitweise um rund 1,25 Milliarden Euro. Dabei spielt nicht nur die Fusionsfantasie zwischen Euronext und Deutscher Börse eine Rolle.

Auch ein Übernahmeangebot eines der beiden US-Giganten für die Deutsche Börse scheint plausibler, nachdem deren Europa-Interesse nun konkret geworden ist, heißt es. Für die Kurse der europäischen Börsen sind die Fusionsfantasien Treibstoff. Die Aktien von LSE, Euronext und Deutscher Börse erklimmen ein Rekordhoch nach dem anderen. Doch irgendwann wird das Kursfeuerwerk enden - zumindest für einige Akteure. "Die Verlierer werden sich herausstellen, wenn die Konsolidierung vorbei ist", glaubt Becker.

Außenseiter Tokio

Im Milliarden-Monopoly scheint die Börse Tokio (Nummer vier, Handelsvolumen von gut 4 Billionen Dollar) abseits zu stehen. Der asiatische Handelsplatz machte zuletzt vor allem mit einer Serie von Computer-Pannen auf sich aufmerksam.

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