Milliarden-Poker um Aventis

- Paris - Der Konzentrationsprozess in der Pharmabranche scheint unaufhörlich voranzuschreiten. Der deutsch-französische Aventis-Konzern muss sich seit gestern eines feindlichen Übernahmeangebots der Sanofi-Gruppe erwehren. Gelingt den Franzosen ihr riskantes 50-Milliarden-Euro-Geschäft, "dann haben wir große Befürchtungen, dass vor allem in Deutschland eingespart wird", sagt Betriebsratsmitglied Klaus Weihl.

<P>Denn der Schwerpunkt des neuen Konzerns, der nach dem US-Riesen Pfizer und der britischen Glaxo-Smith-Kline-Gruppe die Nummer drei weltweit wäre, dürfte sich weiter nach Westen verschieben. Zunächst geographisch: Der Firmensitz soll nach dem Willen Sanofis in Paris sein, Aventis sitzt in Straßburg.<BR><BR>Aber auch strategisch: Der 1999 aus der Fusion der Traditionsunternehmen Hoechst und Rhô^ne-Poulenc entstandene Aventis-Konzern beschäftigt nur noch 9000 Mitarbeiter in Deutschland, weltweit sind es 78 000. Lediglich 2,9 Milliarden Euro von rund 18 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet die Pharmagruppe auf dem deutschen Markt. Längst sind die USA und Frankreich die beiden wichtigsten Märkte.<BR><BR>So mancher Frankfurter Mitarbeiter trauere den Hoechst-Zeiten nach, sagt Weihl. "Es gab viele innere Kündigungen." Jürgen Dormann, erst Chef von Hoechst, dann von Aventis und jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrats, baute den "Gemischtwarenladen" Hoechst in den 90er Jahren gründlich um und führte das Unternehmen in die Ehe mit den Franzosen.<BR><BR>Er stieß die Industrieaktivitäten ab und leitete den Umbau von Aventis in ein reines Pharmaunternehmen ein. Zunächst avancierte der deutsch-französische Konzern zum Liebling der Finanzmärkte, doch der Wind drehte sich. Der halb so große Rivale Sanofi konnte nur deshalb eine Attacke wagen, weil er an der Börse inzwischen ungefähr gleich viel wert ist wie Aventis.<BR><BR>Managment tritt die Flucht nach vorn an</P><P>Bei oft verkauften Medikamenten wie dem Antihistaminicum Allegra oder dem Thrombose-Mittel Lovenox drohen Einbußen durch billigere Generika. Erst vor zwei Jahren übernahm der Weltmarktführer Pfizer den Konkurrenten Pharmacia für 57 Mrd. Dollar.<BR>Auch Sanofi-Synthélabo entstand 1998 wie sein potenzielles Opfer Aventis aus einer Fusion. Fressen oder  selber gefressen werden - so sieht Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq die Branche derzeit.</P><P> Bis Ende 2004 kann er vertraglich abgesichert auf seine beiden Hauptaktionäre zählen: Total und L/Oréal. Doch der Pakt wurde nicht verlängert, dem Ölkonzern werden Verkaufsabsichten nachgesagt. Deshalb könnte Sanofi irgendwann selbst in eine Situation geraten, in der nun Aventis stecke, sagte der Manager und entschied sich für die spektakuläre Flucht nach vorn.<BR></P><P> </P>

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