Milliarden-Prozess um Chrysler beginnt

- Stuttgart - In der Kleinstadt Wilmington an der amerikanischen Ostküste beginnt am Montag einer der spannendsten Prozesse in der Wirtschaftsgeschichte. Der schillernde Investor Kirk Kerkorian fordert vor einem Bundesgericht vom Autokonzern Daimler-Chrysler Schadenersatz in Milliardenhöhe.

<P>Sein Vorwurf: Die Fusion zwischen Daimler-Benz und Chrysler sei von Vorstandschef Jürgen Schrempp (59) nach außen als "Fusion unter Gleichen" dargestellt worden, aber von Anfang an als Übernahme durch die deutsche Seite geplant gewesen. Als früherer Chrysler-Großaktionär habe Kerkorian dadurch ein schlechtes Geschäft beim Aktientausch gemacht.</P><P>Wenn es nach Daimler-Chrysler gegangen wäre, hätte der Prozess gar nicht erst beginnen sollen. Rund 250 000 Seiten mit Dokumenten legte das Unternehmen dem Gericht vor, um die Vorwürfe zu entkräften. Kläger ist Kerkorians Investmentgesellschaft Tracinda. Doch Richter Joseph Farnan Jr. (58) ließ sich von dem Papierberg nicht beeindrucken. "Meiner Meinung nach ist es logisch, aus Tracindas Beweisen zu folgern, dass die Beklagten für Chrysler mehr gezahlt hätten, wenn die Transaktion eine Übernahme gewesen wäre", teilte er mit. Eine Abweisung der Klage ohne mündliche Verhandlung lehnte Farnan ab.</P><P>Seitdem bereiten sich Heerscharen von Anwälten auf den Prozess in der kommenden Woche vor. Ihr langes Wochenende nach "Thanksgiving" müssen die amerikanischen Juristen dafür opfern. Der Prozess beginnt am Montag um 9.30 Uhr in einem unscheinbaren Justizgebäude in der North King Street in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Nach Medienberichten könnte Kerkorian bereits am ersten Tag in den Zeugenstand gerufen werden. Schrempps Auftritt sei für die zweite Prozesswoche eingeplant, das Urteil werde erst für Anfang 2004 erwartet. </P><P>Dass die Deutschen bei Chrysler heute das Sagen haben, bestreitet inzwischen niemand mehr. Ohne die Finanzkraft des Konzerns hätte der drittgrößte amerikanische Autobauer die Rabattschlacht der vergangenen Jahre möglicherweise gar nicht durchgehalten. Ob sich die Fusion für beide Seiten gelohnt hat, kann hingegen noch nicht abschließend beurteilt werden. Für Schrempp, der neben Finanzvorstand Manfred Gentz in dem Verfahren persönlich beschuldigt wird, geht es genau fünf Jahre nach dem Zusammenschluss neben allen juristischen Fragen auch um seine Vision eines weltumspannenden Autokonzerns und ihre Glaubwürdigkeit.<BR></P>

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