Milliarden-Schäden durch Hitze

- München - Wahrscheinlich war es voreilig, den Sommer 2003 als "Jahrhundertsommer" zu titulieren. Denn nach Ansicht einiger Klimaexperten wird eine ähnlich lang anhaltende Hitzewelle in 20 Jahren relativ normal sein. Während sich Eisschlecker und Badeseebesucher über die hohen Temperaturen freuen dürften, warnt die Versicherungswirtschaft vor den volkswirtschaftlichen Schäden - und kündigt steigende Versicherungsprämien gegen Schäden durch Naturkatastrophen an.

<P>Die Hitze, die im vergangenen Sommer auf ganz Europa lastete, hat nicht nur 20 000 Menschenleben gefordert, sondern auch einen Sachschaden von über 13 Milliarden Euro angerichtet. Betroffen waren vor allem Landwirte, die von vertrockneten Feldern nur eine dürftige Ernte einfahren konnten, und die Forstwirtschaft, weil große Waldflächen in Flammen aufgingen. Die hohen Temperaturen beeinträchtigten aber auch andere Branchen: Weil in den Flüssen Ebbe herrschte, war die Binnen-Schifffahrt lange Zeit nur stark eingeschränkt möglich. Außerdem mangelte es den Elektrizitätswerken an Kühlflüssigkeit. Sie mussten ihre Leistung herunterfahren, wodurch die Strompreise nach oben schnellten.<BR><BR>Nach Ansicht von Klimaexperten der Münchener Rück könnten Schäden dieser Art in Zukunft häufiger auftreten, weil die Wetterbedingungen zusehends extremer würden. "Bis Ende des Jahrhunderts könnte es einen mittleren Temperaturanstieg von 1,5 bis sechs Grad geben", erklärt Gerhard Berz, Metereologe beim weltgrößten Rückversicherer. Die Folge wären Jahrhundertsommer en masse und matschige Winter. Wegen der Erwärmung würde es außerdem zu heftigeren Regenfällen kommen, die für Überschwemmungen sorgen könnten.<BR><BR>Die Münchener Rück sieht in dieser Entwicklung ein wachsendes Schadensrisiko auf sich zukommen. Um das abzufangen, sollen die Beiträge gegenüber den Erstversicherern steigen: "Die Prämien für den Versicherungsschutz von Naturgefahren werden steigen, entsprechend dem wachsenden Risiko", erklärt Vorstandsmitglied Stefan Heyd. Außerdem seien substanzielle Eigentumsbehalte und klare Haftungslimits notwendig.<BR><BR>Abgesehen von der prognostizierten Erderwärmung setzt sich die Münchener Rück auch mit anderen Schadenswirkungen durch Natureinwirkungen auseinander. Am Mittwoch hat das Unternehmen eine Studie veröffentlicht, nach der 2003 ein wahres Katastrophenjahr war. So ist zwar die Anzahl der Naturkatastrophen mit 700 gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich geblieben, die Anzahl der Opfer versiebenfachte sich allerdings: Fast 75 000 Menschenleben forderten Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen und Brände. Gleichzeitig wuchs der entstandene Sachschaden von 55 auf 65 Milliarden Euro, die Schäden für die Versicherungswirtschaft kletterten von 11,5 auf 16 Milliarden.<BR><BR>Das größte Unheil haben laut dem Bericht folgende Katastrophen angerichtet: die Tornados in den USA im Mai, das Erdbeben in Algerien im gleichen Monat, die Hitzewelle in Europa und den USA sowie das Erdbeben im Iran an Weihnachten, bei dem allein 40 000 Menschen umkamen.<BR><BR></P>

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