Milliardenschwerer Milch-Mogul Müller flieht in die Schweiz

- Freising - Unser Land soll becher werden - mit diesem Spruch lässt Theo Müller für seine Produkte werben. Nur für ihn selbst kommen jede Becherung und Besserung des Landes zu spät: Als bekennender "Steuerflüchtling" geht Deutschlands Megamilchmann in die Schweiz. Mit einem spektakulären Auftritt in Freising tat er seinen Entschluss kund.

<P>Es war am Ende eines Betriebsbesuchs der Molkerei Weihenstephan mit Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, als der öffentlichkeitsscheue Unternehmer überraschend das Wort ergriff. Und zwar laut. Seit mehreren Wochen schon kursieren Gerüchte, er wolle Deutschland den Rücken kehren. Um sich die drohende Erbschaftssteuer bei der Übertragung seines Firmenimperiums an eines oder mehrere seiner neun Kinder zu sparen, ziehe er am 17. November in die Schweiz: Das sei zwar "abartig" und "eine Katastrophe", er habe aber "keine andere Chance", um sein Unternehmen zu erhalten.<BR><BR>Denn für seine 501 Mio. Euro Eigenkapital, so rechnete Theobald Müller dem ob der ungeahnten Offenheit völlig verdutzten Publikum vor, müsse er 200 Mio. Erbschaftssteuer zahlen. Durch solche Gesetze, schimpfte Müller, werde der gesamte Mittelstand vernichtet.<BR><BR>Sollte sich zudem der Bundesfinanzhof zu der Entscheidung durchringen, nicht nur das Eigenkapital, sondern das gesamte Firmenkapital zur Berechnung der Erbschaftssteuer heranzuziehen, dann brauche man in Zukunft gar nicht mehr überlegen, sein Unternehmen zu übergeben, sondern könne es "gleich verkaufen. Nestlé´ und Danone warten schon." Wo bleibe dann "die Liebe zum Geschäft und der Patriotismus"?<BR><BR>Letzterer ist dem 63-jährigen Bayern jedenfalls keine 200 Millionen wert. Sein milliardenschweres Milchimperium hatte er innerhalb von 33 Jahren aus dem kleinen Betrieb seines Vaters geschaffen. Nur zehn Mitarbeiter hatte das Geschäft damals. Müller überstand Agrar- und Wirtschaftskrisen, Ökotrends und einen Entführungsversuch 1995. An einem Sommermorgen wollten ihn zwei als Polizisten verkleidete Kidnapper entführen und drei Millionen Euro erpressen. Der Aretsrieder rettete sich mit einem Sprung aus dem 600er-Mercedes. Man sagt, er sei an diesem Tag noch ganz normal zur Arbeit ins Büro gegangen. Die Täter wurden erwischt. Ihn ließ das kalt.<BR><BR>Heiß reden kann sich der streitbare Chef, wenn es um sein Unternehmen geht. Wo er gerade in Schwung war, schimpfte Müller in Freising auch über die Verpackungsordnung. Die Lizenzen für den "Grünen Punkt" kosteten die Müller-Gruppe knapp 35 Millionen Euro im Jahr und ihn jede Menge Nerven. Jährlich, so rechnete der Unternehmer vor, würden in Deutschland durch das Missverhältnis zwischen Lizenzkosten (1,1 Mrd. Euro) und Erlösen aus recyceltem Material rund eine Milliarde "vernichtet" - und das seit zehn Jahren: "Die Leute werden mit diesem Ökowahn verkohlt."</P>

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