Milliarden-Verträge zwischen Russland und Deutschland

- Hannover - Mit deutsch-russischen Milliardenverträgen und Hoffnungen auf einen Schub für die Konjunktur hat am Montag die Hannover Messe begonnen. Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin sprachen zum Auftakt der weltgrößten Industrieschau von einer neuen Dimension der Zusammenarbeit und "historischen Vereinbarungen". Erstmals gewährt Russland einem deutschen Unternehmen Zugang zu seinen Gasquellen. Branchenverbände forderten die Bundesregierung unterdessen zu weiteren Reformen auf.

<P>Zu den wichtigsten Verträgen, die unter Dach und Fach gebracht wurden, zählt die neue Partnerschaft zwischen dem Chemiekonzern BASF und dem russischen Gasriesen Gasprom. Die BASF-Tochter Wintershall steigt in die Gasproduktion in Russland ein. BASF-Chef Jürgen Hambrecht betonte: "Das bedeutet, wir sind Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Bohrloch in Sibirien bis zum Kunden in Europa." Gasprom bekommt dafür unter anderem eine Beteiligung am deutschen Pipeline-Netz. Schröder sagte, dass Russland nun nicht mehr nur ein verlässlicher Rohstofflieferant sei, sondern auch ein Partner bei modernen Technologien.<BR><BR>Auf den Weg gebracht wurde ferner die Bestellung von 60 ICE-Zügen für die russische Eisenbahn im Wert von 1,5 Milliarden Euro. "Damit werden die deutschen Betriebe bis zum Jahr 2015 ausgelastet und Arbeitsplätze gesichert", sagte Putin. Für Russland mit seinen großen Entfernungen seien die deutschen Hochgeschwindigkeitszüge wichtig. Bei den Versuchen, einen eigenen Schnellzug zu entwickeln, ist Russland seit 30 Jahren kaum vorangekommen.<BR>Verstärkt zusammenarbeiten wollen Deutschland und Russland zudem bei der Ausbildung von Führungs- und Nachwuchskräften in Wirtschaft und Verwaltung. Weitere der insgesamt acht Vertragsabschlüsse umfassen die Produktion von Traktoren und Mähdreschern der Firma Fendt in Russland, Kreditverträge zur Finanzierung russischer Exporte und Zusammenarbeit bei IT-Technologien.<BR><BR>Russland als Partnerland der diesjährigen Hannover Messe ist für viele Branchen ein zunehmend wichtiger Markt. So stiegen die deutschen Maschinenbaulieferungen nach Russland 2004 nach Angaben des Branchenverbandes VDMA um mehr als ein Drittel auf 3,1 Milliarden Euro.<BR><BR>Im Unterschied zum guten Export läuft das Inlandsgeschäft bei den Maschinenbauern weiter schlecht. "Das kann und darf nicht so bleiben, sonst geht der gesamte Wachstumszyklus an den Inlandsinvestitionen vorbei", teilte der VDMA mit.<BR><BR>Der schwache Heimatmarkt bremst auch das Geschäft der deutschen Automatisierungs-Industrie, die zudem die hohen Rohstoffpreise beklagte. Das Wachstum der Branche werde nach einem Plus von 5,5 Prozent auf rund 34 Milliarden Euro im Vorjahr in diesem Jahr daher geringer ausfallen, teilte der Branchenverband ZVEI mit. Für einen nachhaltigen Aufschwung sei eine stärkere Nachfrage in Deutschland nötig.<BR><BR>Das Hauptproblem sei, dass der Exportfunke nicht auf das Inland überspringe und die inländische Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungsgütern schrumpfe, meinte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann. Thumann forderte die Regierung auf, sie solle ein konkretes Reformprogramm bis zum Ende der Legislaturperiode vorlegen. Die Ergebnisse des "Job-Gipfels" von Regierung und Opposition könnten der Anfang sein. "Aber sie reichen nicht angesichts von mehr als 5 Millionen Arbeitslosen."<BR><BR>Die Elektrizitätswirtschaft forderte die Bundesregierung zu Korrekturen in der Energiepolitik auf und verteidigte zugleich die Höhe der Strompreise. Rund 40 Prozent der Stromrechnung in privaten Haushalt und 22 Prozent in der Industrie bestünden aus Steuern und Abgaben.<BR><BR>Ein zunehmender Fachkräftemangel trübt aus Sicht des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) die positiven Konjunkturaussichten der Technikindustrie in Deutschland. Einer VDI-Umfrage zufolge sieht ein Viertel der Unternehmen bereits heute oder in Zukunft Probleme bei der Besetzung offener Ingenieursstellen. In der Elektro- und Energietechnik sieht der Branchenverband VDE Deutschland nach wie vor als führend an. Asien hole aber auf.<BR>Asiens größtes Land China wird auch in den kommenden Jahren bei den Stahlkochern für gute Geschäfte sorgen. Das prognostizierte die Wirtschaftsvereinigung Stahl.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Mittwoch wieder etwas vorgewagt. Der Dax nahm erneut Tuchfühlung zur Marke von 11.600 Punkten …
Dax steigt wieder bis knapp 11 600 Punkte
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
München - Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Kartoffeln in der Kantine so perfekt gelb sind? Branchen-Insider Sebastian Lege erklärt das in einer neuen …
Schnell und billig: Das sind die Tricks der Lebensmittelindustrie
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Gewinnsprung bei Goldman Sachs - die Trump-Rally an den Finanzmärkten füllt der führenden US-Investmentbank zum Jahresende noch einmal kräftig die Kassen. Andere …
Goldman Sachs profitiert von Börsen-Boom nach Trump-Wahl
Rückschlag bei Mifa-Rettung
Neue schlechte Nachrichten bei Mifa: Die Zahlungsschwierigkeiten sind so gravierend, dass der Fahrradhersteller seine Lieferverträge nicht einhalten kann. Viele Jobs …
Rückschlag bei Mifa-Rettung

Kommentare