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Blick über die Stadt: Das Lehel Carré von innen wurde nach den Wunschvorstellungen der HRE ausgebaut.

Hypo Real Estate

Millionen für einen Geister-Büropalast

München – Die Hypo Real Estate zieht in ein bescheidenes Quartier am Stadtrand. Doch der mit Steuer-Milliarden gestützte Immobilienfinanzierer zahlt weiter die Miete für sein Wunsch-Hauptquartier, das er nie bezogen hat.

Die HRE muss sparen. Und sie tut dies, indem sie ihren Sitz vom teuren Standort Lehel nach Unterschleißheim verlagert. „Gegenüber alternativen Mietobjekten in der Münchner Innenstadt können wir die Mietkosten sehr deutlich reduzieren“, sagte der Vorstandschef Axel Wieandt. Tatsächlich sind bisher die Mitarbeiter des mittlerweile weitgehend verstaatlichten Konzerns bisher auf fünf Münchner Standorte verteilt. Diese werden wirklich geräumt.

Eckhaus: HRE -Hauptsitz in der Unsöldstraße.

Doch einen Steinwurf vom bisherigen Hauptquartier in der Unsöldstraße entfernt liegt das Lehel Carré. Es erstreckt sich mit 21 000 Quadratmetern Nutzfläche zwischen Robert-Koch-Straße und Gewürzmühlstraße über ein gesamtes Straßengeviert in nächster Nähe zum zentralen Münchner U-Bahnhof Lehel. Das Gebäude steht leer. Es gehört der Versicherungskammer Bayern und die hat es bereits vor zwei Jahren langfristig vermietet. Der Mieter, der noch Jahre an seinen Vertrag gebunden ist, heißt Hypo Real Estate.

Ex-HRE-Chef Georg Funke hatte das Gebäude als mondänes neues Hauptquartier für den aufstrebenden Immobilienkonzern ausgewählt und gleich gehandelt. Für einen siebenstelligen Betrag wurde eine neue Kantine eingebaut. Ein üppiger Konferenzsaal wurde angelegt, darüber ein Dachgarten für die Vorstandsetage. Bereits für Frühjahr dieses Jahres war der Umzugstermin angesetzt.

Straßengeviert: Das Lehel Carré steht weiter leer.

Doch es geschah nichts. Improvisierte Zettel an Türen und Wänden weisen darauf hin, dass es sich bei dem Geister-Büropalast um „Privatbesitz handelt“. Denn immerhin zahlt – wie die Versicherungskammer bestätigt– die HRE ihre Miete, Monat für Monat. Die Summe wird vertraulich behandelt. Doch bei rund 30 Euro pro Quadratmeter Marktpreis für die Bestlage im Münchner Zentrum müssten geschätzt leicht eine halbe Million Euro im Monat zusammenkommen. Das macht sechs Millionen Euro im Jahr und bei zehn Jahren Laufzeit des Vertrags rechnerisch rund 60 Millionen Euro.

Die Versicherungskammer sieht keinen Grund, auf die vertraglich vereinbarten Mieteinnahmen von der Hypo Real Estate zu verzichten. Sie kann sich allerdings auch eine Untervermietung vorstellen. Die Hypo Real Estate sagt dazu zunächst gar nichts. Man prüfe „die verschiedenen Optionen“, heißt es.

Doch es dürfte schwer werden, jemanden zu finden, der gleich 21 000 Quadratmeter will – und der bereit ist, einen Preis dafür zu zahlen, den der Markt gegenwärtig auch in Münchner Bestlagen nicht hergibt. Zehntausende Quadratmeter Bürofläche – zum Teil ganze Gebäudekomplexe - stehen leer und warten auf Mieter – mehr als ein gigantisches Verlustgeschäft ist für die HRE auch bei Untervermietung nicht drin.

Während der neue Konzernchef Axel Wieandt das Lehel Carré noch als Altlast seines Vorgängers Georg Funke abtun kann, gerät er nun selbst in Erklärungsnöte. Dafür, dass er wegen der staatlichen Stützung einen neuen Dienstvertrag mit deutlich abgesenkten Bezügen einging, bekam er bereits Anfang diesen Jahres eine Einmalzahlung von 500 000 Euro.

Von Martin Prem

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