Bundeskartellamt

Millionen-Bußgelder gegen Zuckerhersteller

Bonn  - Weil sie über Jahre mit verbotenen Absprachen den Zuckerpreis in Höhe getrieben haben sollen, hat das Bundeskartellamt gegen die führenden deutschen Hersteller hohe Bußgelder verhängt.

Pfeifer und Langen, Südzucker und Nordzucker sowie sieben persönlich Verantwortliche sollten insgesamt rund 280 Millionen Euro zahlen, teilte das Bundeskartellamt am Dienstag in Bonn mit. Leidtragende der Absprachen waren den Angaben zufolge Industrie und Verbraucher.

Die Hersteller hätten über Jahre abgesprochen, sich beim Zuckervertrieb "im Wesentlichen auf ihr angestammtes Gebiet zu beschränken und den anderen Kartellbeteiligten nicht in die Quere zu kommen", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. "Zuckermengen wurden eher ins Ausland exportiert, als dass sie an Kunden im Gebiet der Wettbewerber abgesetzt wurden." Betroffen gewesen seien sowohl Verarbeitungszucker für die Industrie als auch Haushaltszucker.

Der größte Teil der Bußgelder entfällt auf Südzucker, nach eigenen Angaben europäischer Zucker-Marktführer. Das Unternehmen teilte mit, es habe den Bußgeldbescheid über 195,5 Millionen Euro akzeptiert. Die Prognose für das bis Ende Februar laufende Geschäftsjahr werde trotzdem aufrecht erhalten.

Nordzucker, nach eigenen Angaben Nummer zwei in Europa, habe mit dem Kartellamt umfassend kooperiert und deswegen einen "weitreichenden Bußgelderlass" erhalten, erklärte die Behörde. Das Unternehmen teilte mit, es habe ein Bußgeld im einstelligen Millionenbereich akzeptiert. Auch bei den anderen beiden Firmen wurden nach Angaben des Kartellamts "deren Kooperationsbeiträge" und gegebenenfalls Geständnisse berücksichtigt.

Die illegalen Absprachen seien bis zu einer Durchsuchung durch das Bundeskartellamt 2009 "über viele Jahre" betrieben worden und hätten teils bis in die 90er-Jahre zurück gereicht, teilte die Behörde mit. Es lägen Aussagen von Industriekunden vor, wonach die Absprachen der Zucker-Riesen "tatsächlich zu erheblichen Preissteigerungen und zu Versorgungsengpässen" geführt hätten.

Das Bundeskartellamt habe keine belastbaren Hinweise gefunden, dass - wie von den Unternehmen behauptet - Vertreter staatlicher Stellen involviert waren, hieß es weiter. Selbst eine Billigung oder sogar Initiierung von staatlicher Seite hätte das Vorgehen aber "nicht legalisieren können".

Die verhängten Geldbußen sind den Angaben der Behörde zufolge noch nicht rechtskräftig. Gegen die Bescheide könne Einspruch eingelegt werden, über den das Oberlandesgericht Düsseldorf zu entscheiden habe.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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