Millionen haben Riester-Vertrag, doch keine Förderung beantragt

- Berlin - Millionen Deutsche haben offenbar einen Vertrag für die Riester-Rente abgeschlossen, aber noch keine Förderung beantragt. Doch nach Angaben der Rentenversicherer kann man sich noch bis zum Jahresende die staatliche Unterstützung für das Jahr 2002 sichern. Bei einer Familie mit zwei Kindern wären das immerhin 168 Euro im Jahr. Im kommenden Jahr kommt die Riester-Rente zudem komplett auf den Prüfstand.

<P>"Möglicherweise ist nicht jedem, der einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, bewusst, dass die staatliche Zulage nur auf Antrag gezahlt wird", sagte Herbert Rische, Präsident der Bundesanstalt für Angestellte (BfA). Die BfA ist von der Bundesregierung mit der Prüfung der staatlichen Förderung betraut. Nach inoffiziellen Schätzungen haben bislang knapp fünf Millionen Deutsche einen Riester-Vertrag zur privaten Alterssicherung abgeschlossen. Dagegen stellten nur 1,53 Millionen einen Antrag auf Förderung.<BR><BR>Doch insgesamt ist man bei der BfA mit der Entwicklung der Riester-Rente nicht unzufrieden. Rische schätzt, dass es in Deutschland ein Potenzial von 22 Millionen Verträgen gibt. Da seien fünf Millionen Abschlüsse nach zwei Jahren nicht schlecht.<BR><BR>Im kommenden Jahr will die Bundesregierung das Gesetz überprüfen und gegebenenfalls entscheiden, ob die bislang freiwillige Riester-Rente Pflicht werden soll. Bei der BfA ist man skeptisch: "Wenn man sieht, wie lange andere Produkte brauchen, um sich auf dem Markt durchzusetzen, erscheint dieser Zeitraum zu kurz", so Rische. Die Frage nach einer obligatorischen Privatversicherung müsse aufgeschoben werden. Außerdem würden ja derzeit Vereinfachungen bei der Riester-Rente beschlossen, die die Attraktivität stärken sollen. <BR><BR>Für den BfA-Vorstandsvorsitzenden, den Verdi-Mann Christian Zahn, ist die Zahl der Abschlüsse insgesamt ohnehin zweitrangig. Wichtig sei, dass sich die richtigen Bevölkerungsgruppen absichern. Allein die in den vergangenen drei Jahren verabschiedeten Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung würden die Renten im Jahr 2030 um 16 Prozent senken. Zahn befürchtet, dass dadurch viele mit so genannten gebrochenen Lebensläufen, also Menschen, die nicht kontinuierlich in die Rentenversicherung eingezahlt haben, in die Sozialhilfe abrutschen. "Die Frage nach einem Obligatorium ist davon abhängig, wie diese Gruppen sich verhalten", sagte Zahn.<BR><BR>Und erste Untersuchungen geben wenig Anlass zur Hoffnung. Hartmann Kleiner, Arbeitgebervertreter im BfA-Vorstand, berichtete von Stichproben-Untersuchungen in Großbetrieben. Diese hätten ergeben, dass bis zu 70 Prozent bei der Rieser-Rente keine staatliche Förderung, sondern Steuererleichterungen geltend gemacht hätten. Da das nur für Gutverdiener lohnt, scheint sich eine seit Einführung der Riester-Rente gehegte Befürchtung zu bestätigen: dass nur diejenigen eine Zusatzvorsorge abschließen, die später nicht zwingend darauf angewiesen sind. <BR><BR>Kleiners Stichproben könnten jedoch auch eine Erklärung dafür sein, warum die Diskrepanz zwischen Verträgen und Anträgen auf Förderung so groß ist. Dennoch glaubt man bei der BfA, dass die Zahl derer, die die staatliche Unterstützung überhaupt nicht nutzen, enorm ist. </P><P>Diese können sich bis Jahresende bei der "Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen" (ZfA) melden (Tel. 0800 / 333 19 19). www.zusy.de<BR>.<BR></P>

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