Millionen Kassenpatienten können sich die Praxisgebühr bald sparen

- Millionen Krankenversicherte können die seit Jahresanfang fällige Zehn-Euro-Praxisgebühr bald sparen. Mehrere Krankenkassen kündigten am Wochenende Hausarztmodelle an, in denen die Gebühr erstattet wird. Die Barmer hat als erste Kasse dazu bereits einen Vertrag mit dem Deutschen Hausärzteverband abgeschlossen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt begrüßt dies.

<P>Die Gesundheitsreform sieht ausdrücklich vor, dass Kassen Hausarztmodelle anbieten müssen und Teilnehmern als Anreiz Zuzahlungen oder Praxisgebühren ermäßigen können. Die Versicherten müssen sich für mindestens ein Jahr verpflichten, immer zuerst zu einem bestimmten, von der Krankenkasse anerkannten Hausarzt zu gehen.</P><P>Barmer-Sprecherin Susanne Rüsberg-Uhrig sagte, Versicherte müssten in dem Modell zwar auch die Praxisgebühr beim Arzt zahlen, bekämen dann aber als "Bonus" 40 Euro im Jahr erstattet. Die Kassen erwarten, dass sich das lohnt, weil Doppeluntersuchungen vermieden werden. Die für das Programm zugelassenen Mediziner müssen sich regelmäßig fortbilden.</P><P>Da Details des Programms noch offen sind, wollte Rüsberg-Uhrig auch noch nicht genau sagen, wann das Modell offiziell startet. Dies sei "für die zweite Jahreshälfte" geplant. Dann dürften auch andere Krankenkassen so weit sein. Unter anderen bereiten die Deutsche Angestellten-Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse und die Gmünder Ersatzkasse Hausarztmodelle vor. Auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) mit insgesamt 26 Millionen Mitgliedern bemühen sich um ein solches Modell.</P><P>Eine Sprecherin Schmidts sagte, die Hausarztmodelle seien ein Vorschlag der Ministerin gewesen. Sie gehe davon aus, dass so die Versorgung verbessert werde und die Beiträge effizienter eingesetzt würden. Die FDP, die die Gesundheitsreform nicht mitgetragen hat, beklagte, dass mit den Hausarztmodellen die freie Arztwahl eingeschränkt werde.</P><P>Rückzahlung an die Pflegekassen</P><P>Unterdessen bestätigte das Sozialministerium, dass Krankenkassen insgesamt rund 400 Millionen Euro an die Pflegekassen zurückerstatten müssen, weil Leistungen falsch abgerechnet wurden. Die vom Bundesversicherungsamt angemahnte Rückzahlung laufe bereits seit geraumer Zeit. Hintergrund sei ein Streit zwischen Kranken- und Pflegekassen, welche Leistungen zu wessen Lasten gehen sollen. Schmidt erwarte, dass es zu keinen weiteren Fehlbuchungen komme.</P><P>Der "Spiegel" meldete, Krankenkassen hätten vor allem Rechnungen für Spezialbetten, Rollstühle und Badewannenlifter ungerechtfertigt der Pflegeversicherung aufgebürdet. Das Bundesversicherungsamt wolle die verantwortlichen Versicherer - darunter Allgemeine Ortskrankenkassen - zwingen, das Geld zurückzuzahlen. "Im Interesse einer Gleichbehandlung aller Krankenkassen werden wir auf einer vollständige Rückführung der Fehlbuchungen bestehen", zitierte das Blatt aus einem Schreiben der Aufsichtsbehörde vom 5. April.</P><P>Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens erklärte, die Fehlbuchungen seien auch für das Defizit der Pflegekassen verantwortlich. Sie forderte die Krankenkassen auf, die Buchungspraxis zu beenden und die Fehlbeträge auszugleichen.</P>

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