700 Millionen vom Staat: Für Berater nicht genug

- München - In der kritischen Diskussion um öffentliche Aufträge an Beratungsfirmen setzt sich jetzt die Branche zu Wehr. Es sei ein gutes Zeichen, dass es die Aufträge von Ministerien, Behörden und öffentlichen Institutionen gebe, sagte Peter Baumgartner, Deutschland-Chef der Beratungsfirma Mercer Management Consulting. "Sie bedeuten, dass man sich bei der Öffentlichen Hand Gedanken macht um effizientere Prozesse und bessere kundenorientierte Dienstleistungen." Er sprach sich für noch mehr Beratung beim Staat aus.

<P>Die derzeitige pauschale Branchenschelte sei kontraproduktiv. "Bei einer Staatsquote von 50 Prozent braucht gerade die Öffentliche Hand mehr Beratung." Wer den schlanken und effizienteren Staat wolle, müsse in den Umbau investieren.</P><P>Laut Mercer, einer der führenden weltweiten Beraterfirmen, kommen in Deutschland knapp neun Prozent aller Aufträge für die Branche von öffentlichen Unternehmen und Institutionen. Dies entspricht Aufträgen mit einem Volumen von rund 700 Millionen Euro. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, war wegen der umstrittenen Vergabe von Aufträgen an Beraterfirmen entlassen worden. Im Zuge der Affäre kamen auch andere öffentliche Aufträge beispielsweise von Ministerien an Beraterfirmen ins Gerede.</P><P>Baumgartner kritisierte, dass derzeit allein über die Höhe von Beraterverträgen diskutiert werde. "Wer einen Berater engagiert, möchte ja Verbesserungen erreichen, die ein Mehrfaches der Beratungskosten einspielen." Daher müsse nach den Zielen und dem Nutzen einzelner Aufträge gefragt werden. Erst dann könne man beurteilen, ob er sich gelohnt habe.</P><P>Der Mercer-Deutschland-Chef bezweifelte, dass die Behörden selbst die Arbeit der Berater übernehmen könnten. Die Beratungsfirmen verfügten über Spezialisten, die bei Unternehmen und Behörden oft fehlten. "Ein permanentes Vorhalten dieser Kapazitäten wäre ökonomischer Unsinn und würde deutlich höhere Kosten verursachen." Beratung sei eine hoch entwickelte Branche mit seit Jahrzehnten weiterentwickelten Methoden und hoch qualifiziertem Personal. "Die Beraterbranche zieht nach wie vor national wie international einen großen Teil der besten Absolventen und Talente an." Es sei auch ein Mythos, dass die Tätigkeit intransparent sei. "Ein Großteil der Beratungshonorare ist inzwischen an Erfolgsfaktoren geknüpft."</P><P>Mercer erwirtschaftet mit weltweit rund 15 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro im Jahr. In Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 450 Mitarbeiter.</P>

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