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Deutschlands Stille Reserve: Mütter, die arbeiten möchten, das aber aufgrund der Kinder nicht können, zählen zur Stillen Reserve – einer Gruppe mit 1,2 Millionen Menschen.

Ungenutztes Arbeitskäftepotenzial

7,4 Millionen wollen mehr arbeiten

Wiesbaden - Viele Deutsche würden gerne mehr arbeiten, wenn mehr Jobs da wären. Das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial lag 2011 bei 7,4 Millionen. Dabei gibt es große Unterschiede  zwischen Ost und West.

Wiesbaden – Nicht nur Menschen, die offiziell arbeitslos gemeldet sind, suchen in Deutschland einen Job. Wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte, lag das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial 2011 bei 7,4 Millionen. Die Zahl bezieht sich auf Deutsche im Alter von 15 bis 74 Jahren, die sich einen Job wünschen oder mehr arbeiten wollen. Laut einer Arbeitskräfteerhebung, die in den Mikrozensus der EU integriert wurde, gab es 2011 in Deutschland 2,5 Millionen Erwerbslose, zwei Millionen Unterbeschäftigte in Teilzeit, 1,7 Millionen Unterbeschäftigte in Vollzeit und 1,2 Millionen Menschen, die als Stille Reserve gelten. Dem ungenutzten Arbeitskräftepotenzial standen 39,6 Millionen Erwerbstätige gegenüber.

„Berücksichtigt man nur die Erwerbstätigen und die Erwerbslosen, bleibt ein großer Rest“, sagt Martina Rengers vom Statistischen Bundesamt. Das Verfahren orientiert sich an Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Zur Stillen Reserve zählen Erwerbslose, die arbeitsunfähig sind, gerade studieren, eine Fortbildung durchlaufen oder aus familiären Gründen nicht arbeiten können. 2011 setzte sich diese Gruppe zu 55 Prozent aus Frauen und zu 45 Prozent aus Männern zusammen.

Im Schnitt fühlte sich jeder zehnte Jobinhaber unterbeschäftigt. Bei den rund zwei Millionen Unterbeschäftigten in Teilzeit dominierten allerdings die Frauen. Ihr Anteil lag bei 72 Prozent. „In der Rollenverteilung hat sich nicht viel getan“, sagt Rengers. Bei der Auswertung fällt außerdem auf, dass teilzeitbeschäftigte Frauen im Osten mit 31,7 Prozent mehr als doppelt so häufig unterbeschäftigt sind als im Westen. Ostdeutsche Frauen gaben oft an, keine Vollzeittätigkeit gefunden zu haben. Westdeutsche Frauen entschieden sich dagegen meist bewusst für einen Teilzeitjob – oft wegen der Kinder. Eine Männerdomäne sind dagegen Arbeitskräfte mit Vollzeitjob, die sich unterbeschäftigt fühlen. Von 1,7 Millionen sind 73 Prozent männlich. Allerdings gaben hier die meisten an, ihre Arbeitszeit nur um wenige Stunden erhöhen zu wollen.

Das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial lag 2011 insgesamt bei 17 Prozent. Im Jahr 2010 lag die Quote noch bei 19,7 Prozent, die der Erwerbslosen bei 7,1 Prozent. „Obwohl beide Quoten im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken sind, gab es bei der absoluten Zahl der Personen in Stiller Reserve eine leichte Zunahme“, so Rengers.

Die Stille Reserve hat besondere Bedeutung im Hinblick auf einen künftig drohenden Arbeitskräftemangel. Nach einer Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der 20- bis 64-Jährigen bis 2030 um 15 Prozent zurückgehen. Das sind 7,5 Millionen weniger Deutsche im erwerbsfähigen Alter. Dem stehen – bereits jetzt – 7,4 Millionen Menschen gegenüber, die mehr arbeiten wollen, 1,2 Millionen in der Stillen Reserve. Die Herausforderung wird es sein, diese Arbeitsmarktreserve zu aktivieren.

Manuela Dollinger

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