Ministerium: „Finanzlage stabil“

Millionendefizit bei gesetzlichen Krankenkassen

Berlin - Die fetten Jahre bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind vorbei. Jahrelang konnten sie ein dickes finanzielles Polster aufbauen. Nun müssen sie darauf zurückgreifen.

Das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen wächst: Sie verzeichneten in den ersten drei Quartalen ein Minus von 740 Millionen Euro, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Samstag berichtete. Das Gesundheitsministerium erklärte, die 131 Kassen hätten über Prämien und freiwillige Leistungen rund 750 Millionen Euro an ihre Versicherten zurückgezahlt. Ihre Finanzlage bleibe mit Reserven von 16 Milliarden Euro "stabil".

Die "FAZ" berief sich in ihrem Bericht auf Meldungen der Kassenverbände. Demnach weisen die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Knappschaft Überschüsse von 350 und 118 Millionen Euro aus. Alle anderen schrieben rote Zahlen: Die Innungskassen kämen nach neun Monaten auf ein Defizit von 118 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen wiesen ein Minus von 257 Millionen Euro aus, die Ersatzkassen als Marktführer gar von 830 Millionen Euro.

Ein Grund für das Minus seien Prämienausschüttungen von 424 Millionen Euro, berichtete die "FAZ" unter Berufung auf den Verband der Ersatzkassen. Auch Änderungen im Finanzausgleich der Kassen sowie steigende Gesundheitskosten würden von den Kassen als Gründe genannt.

Mit dem Defizit von 740 Millionen Euro bleibt es bei dem sich seit dem Jahresanfang abzeichnenden Trend zu einer angespannteren Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen. Der GKV-Spitzenverband bestätigte diese Tendenz. Ausgaben für Medikamente, Arzthonorare und Kliniken stiegen schneller als die Einnahmen, erklärte ein Sprecher.

Ende 2013 hatte die gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein Rekordpolster von 30,3 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Davon entfielen 16,7 Milliarden Euro auf die einzelnen Kassen und 13,6 Milliarden auf den Gesundheitsfonds, die Geldsammel- und Geldverteilstelle der GKV. Wegen dieser guten Finanzlage reduzierte der Bund seine Zuschüsse für die GKV vorübergehend.

Für die Versicherten fällt 2015 der bisherige Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent weg - der von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen zu tragende Beitragssatz wird auf 14,6 Prozent festgelegt. Allerdings dürften viele Kassen einkommensabhängige Zusatzbeiträge erheben, um den Einnahmeausfall zu kompensieren. Billiger wird es für viele Versicherte daher wohl nicht.

AFP/dpa

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