Milliardenschaden durch deutsche Produktpiraten

München - Deutschen Maschinenbauern entstand 2011 durch Produktpiraten nach eigener Einschätzung ein Schaden von 7,9 Milliarden Euro. Vor allem im Inland ist Ideenklau auf dem Vormarsch.

Die Nachahmer gaben sich gar keine Mühe, ihr Tun zu verbergen: Die Motorsägen, die ein chinesischer Konkurrent auf Messen im Reich der Mitte anbot, sahen nicht nur genauso aus wie ihr Vorbild aus Schwaben. Sogar ein Druckfehler in der Bedienungsanleitung wurde originalgetreu übernommen. Nur mit Materialien und der Fertigungsgenauigkeit war es nicht weit her. Nach wenigen Wochen Einsatz war die Kopie reif für den Wertstoffhof. Unlauterer Nachbau bleibt mit der wichtigste Erwerbszweig von Produktpiraten. In fast der Hälfte der Fälle, die die betroffenen Opfer 2011 aufdecken konnten, wurden ganze Maschinen abgekupfert, in den meisten Fällen samt des Designs. In jedem zehnten Fall war auch die Verpackung einfach nachgemacht.

Noch immer ist China weltweit der wichtigste Standort für Ideenklau. Doch seine Bedeutung geht zurück. Von 100 Unternehmen, die sich mit billigen Kopien herumschlagen mussten, nannten für eine Studie des Branchenverbands VDMA 75 (Vorjahr 79) Prozent das größte Land der Welt als Herkunftsangabe für geklaute Produkte. An zweiter Stelle steht mit 26 (Vorjahr 19) Prozent bereits Deutschland.

Doch die Zahl der Opfer in Deutschland ist weit größer. Zwei Drittel der Unternehmen (soweit sie sich an der VDMA-Studie beteiligt hatten) sind 2011 Opfer von Produktpiraten geworden. Dabei beklagen 38 Prozent die Verletzung von Patent- und 37 Prozent die von Markenrechten. Beides legt dramatisch zu. Dagegen sind Verstöße gegen den preiswerteren Schutz durch Geschmacks- und Gebrauchsmuster rückläufig.

Dabei wird die illegale Branche zunehmend international: 38 Prozent der Opfer sehen sich mit einer weltweiten Verbreitung der jeweiligen Plagiate konfrontiert. 2010 waren es nur 17 Prozent. Dagegen nahmen die Meldungen von Kopien, die nur auf dem chinesischen Markt angeboten wurden, von 52 auf 37 Prozent ab.

Beim Aufspüren der kopierten Produkte haben die Unternehmer eine wichtige Gruppe als freiwillige Detektive: 58 Prozent wurden unter anderem durch eigene Kunden auf Plagiate aufmerksam gemacht, 54 Prozent sind auf Messen darauf gestoßen. Für 40 Prozent war das Internet beim Aufspüren geklauter Ideen eine Hilfe.

Die Abwehr von Produktpiraten ist lückenhaft: 44 Prozent der Opfer unternehmen nichts. Vor allem kleine Unternehmen stehen dem Problem oft ohnmächtig gegenüber. Von den betroffenen Maschinenbaubetrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern verzichten 56 Prozent auf jede Abwehrmaßnahme. Bei Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten sind es nur 22 Prozent. Allerdings sind die großen Unternehmen dem Ideenklau ungleich stärker ausgesetzt. Neun von zehn Maschinenbauern mit über 1000 Mitarbeitern sind nach Angaben von VDMA-Präsident Thomas Lindner Plagiatsopfer, dagegen nur jeder zweite Kleinbetrieb.

Viele Unternehmen kupfern nicht Produkte von Wettbewerbern ab. Sie nutzen technische Einfallstore wie betriebliche Smartphones, um sich mit geistigem Eigentum von Konkurrenten einzudecken. „Es ist erschreckend, festzustellen, wie sehr die Industriespionage in den vergangenen Jahren explodiert ist“, sagte Christian Schaaf von der Münchner Sicherheitsberatung Corporate Trust, die den Schaden durch Hackerangriffe und Geheimnisverrat mit 4,2 Milliarden Euro beziffert. Dabei ist der Trojaner meist keine Software. Er steht auf der Gehaltsliste des Opfers. In 47,8 Prozent der Fälle spionieren eigene Mitarbeiter ihr Unternehmen aus, in 46,8 Prozent klauen Firmenfremde die Daten.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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