Millionenspritze für Innenstädte und die kleinen Karstadt-Häuser

- München/Hattingen - Millionenspritze für deutsche Innenstädte: Kaum ist die Tinte unter den Verträgen über den Verkauf der 74 kleinen Warenhäuser des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns an britische Finanzinvestoren trocken, schon haben die neuen Besitzer ein umfangreiches Modernisierungsprogramm vorgelegt.

Bis zum Jahr 2007 sollen alle Warenhäuser mit Gesamtkosten von mehr als 20 Millionen Euro auf das neue Konzept umgestellt sein, erklärte Harald Fölkel, Geschäftsführer von "Karstadt kompakt".

"Entgegen aller anders lautenden Meldungen ist Karstadt kompakt kein Sanierungsfall", so Fölkel. Ab 2006 werde Karstadt kompakt vor allem im süddeutschen Raum expandieren. Anfang September hatte Karstadt-Quelle fast alle Karstadt-Filialen mit einer Verkaufsfläche von weniger als 8500 Quadratmetern an die britischen Investoren Hilco und Dawnay, Day verkauft. Die neuen Eigentümer hätten ein "hohes Interesse an einem ausbaufähigen Geschäft", betonte Fölkel.

Die 74 Filialen sollen erhalten bleiben. Schließungen und Entlassungen würden vermieden. Formal werde der Bestand aller Häuser bis Ende 2007 durch den Sanierungstarifvertrag gesichert. Doch auch darüber hinaus wolle Karstadt kompakt alle Filialen weiterbetreiben. "Wir sind angetreten, um Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Fölkel.

In diesem Jahr erwartet Karstadt kompakt einen Umsatz von rund 680 Millionen Euro. Nach einem Minus von 30 Millionen Euro 2004 werde man in diesem und auch im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben. Ziel sei es, ein schlankes und schnelles Unternehmen aufzubauen. So komme die Unternehmenszentrale in Gladbeck mit 50 Mitarbeitern aus: "Wir werden mit unserer Kostenstruktur mit den Besten am Markt mithalten können", sagte Ralf Dettmer, ebenfalls Geschäftsführer des neuen Unternehmens.

Ab dem kommenden Jahr will sich Karstadt kompakt daranmachen, kleinere Warenhaus-Ketten und einzelne Häuser vor allem in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu übernehmen. "Denn bisher sind wir hauptsächlich in den Bundesländern vertreten, die wirtschaftlich nicht so gut dastehen", erklärte Dettmer. Bis 2007 will Karstadt die Filialen schrittweise modernisieren und dafür mehr als 20 Millionen Euro ausgeben. In diesem Jahr würden elf und im nächsten 24 Filialen umgebaut. Der Name Karstadt soll ab Juni 2006 schrittweise ersetzt werden.

Mit Waren aus dem mittleren und gehobenen Preis-Segment will Karstadt kompakt vor allem Kunden zwischen 30 und 55 Jahren ansprechen. "Wir gehen nicht in den Discount-Bereich. Das Thema heißt Preis-Leistung", betonte Dettmer. So solle der Anteil von Marken von heute etwa 15 bis 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden. An dem Konzept "Alles unter einem Dach" wolle Karstadt kompakt festhalten. Allerdings werde das Sortiment lokal unterschiedlich aussehen.

Während man auf die Kernkompetenz Bekleidung setze, würden die eigenen Lebensmittel-Abteilungen geschlossen und die Parfümerien abgegeben. Dettmer zeigte sich überzeugt, dass die Innenstadt-Lagen von Karstadt kompakt in Zeiten gestiegener Benzinpreise wieder attraktiver würden.

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