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Neuregelung zum Mindestlohn: Nur 24 Prozent der Hotels und Gaststätten nehmen die Gesetzesvorlage einfach so hin. 

Umfrage des Ifo-Instituts

40 Prozent der Wirte wollen Preise erhöhen

München - Der Mindestlohn ist vor allem für Dienstleistungsbetriebe eine harte Nuss. Mehr als jedes fünfte betroffene Unternehmen will darauf mit Personalabbau antworten, jedes vierte will die Preise erhöhen.

Eines von vier Unternehmen in Westdeutschland wird künftig Mitarbeitern mehr Geld zahlen müssen. Das ergab eine Erhebung des Ifo-Instituts im November. Dabei wurden alle Firmen, die an den monatlichen Konjunkturumfragen des Instituts teilnehmen (außer Baugewerbe), danach gefragt, ob sie vom Mindestlohn betroffen sind, und wie sie darauf reagieren wollen.

6300 Firmen haben die Fragen beantwortet, 27 Prozent im Westen gaben an, vom Mindestlohn selbst betroffen zu sein. In Ostdeutschland sind es sogar 43 Prozent der Unternehmen. Für die gesamte Bundesrepublik ergibt sich ein Wert von 27 Prozent.

Besonders massiv trifft der Mindestlohn mit 61 Prozent den Einzelhandel und mit 41 Prozent den Dienstleistungssektor. Doch splittet man weiter auf, findet sich im Gastgewerbe mit 72 Prozent der höchste Anteil an Betrieben mit Mitarbeitern, die bisher weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen.

Während 43 Prozent aller Unternehmen, die die Neuregelung ab 2015 trifft, den Mindestlohn einfach schlucken – das bedeutet sie verzichten auf Gewinn – ist die Leidensbereitschaft bei den Gastronomen weniger ausgeprägt: Nur 24 Prozent der entsprechenden Hotels und Gaststätten nehmen die Gesetzesvorgabe einfach so hin. Dagegen wollen 54,9 Prozent an der Preisschraube drehen. Das bedeutet (die nicht betroffenen Betriebe eingeschlossen): In 40 Prozent aller gastronomischen Betriebe müssen Gäste wegen des Mindestlohns mit steigenden Preisen rechnen.

35,2 Prozent der betroffenen Unternehmen der Branche wollen das Geld, das sie zusätzlich zahlen müssen, bei bisherigen Sonderzahlungen an die Mitarbeiter wieder einsparen. 32,0 Prozent wollen die Arbeitszeit verkürzen und 24,6 Prozent sogar Personal abbauen.

Am wenigsten betroffen vom Mindestlohn sind mit 21 Prozent das verarbeitende Gewerbe und mit 20 Prozent der Großhandel. In beiden Bereichen will rund die Hälfte der Unternehmen die Zusatzlast ohne jeden Ausgleich schultern (verarbeitendes Gewerbe 46,7 Prozent, Großhandel 50,3 Prozent). Allerdings sehen sich in diesen Branchen auch die wenigsten Betriebe in der Lage, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen (im verarbeitenden Gewerbe 23,2 Prozent, im Großhandel sogar nur 14,7 Prozent). Stattdessen steht auf der Hitliste der Reaktionen Personalabbau ganz oben. Im verarbeitenden Gewerbe rechnen 25,6 Prozent der betroffenen Betriebe damit, künftig weniger Menschen zu beschäftigen, im Großhandel 22,7 Prozent.

Quer über alle Branchen planen sechs Prozent der Unternehmen – das heißt jedes 17. – ihre Zukunft nach Einführung des Mindestlohns mit weniger Personal. Fast ebenso viele sparen an Sonderzahlungen. Sieben Prozent wollen die Preise erhöhen. Vier Prozent fahren ihre Investitionen zurück.

In Ostdeutschland dürfte sich der Mindestlohn massiver auswirken als im Westen. Dort sind in sämtlichen Branchen mehr Unternehmen von der Einführung betroffen. Besonders krass ist der Unterschied im Großhandel: In Westdeutschland zahlt nur jedes sechste Großhandelsunternehmen wenigstens einigen Mitarbeitern weniger als 8,50 Euro, in Ostdeutschland ist es jedes Zweite.

Martin Prem

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