Mini-Zinsen

Deutsche verlagern Vermögen ins Ausland

Frankfurt - Geld kennt keine Grenzen: Deutschland ist finanziell immer stärker mit dem Ausland verflechtet - auch wegen der Krise im Euroraum. Die Unternehmen investieren in aller Welt, Anleger suchen nach Rendite.

Angesichts der Mini-Zinsen in der Heimat haben deutsche Unternehmen und Privatpersonen im vergangenen Jahr mehr Vermögen ins Ausland verlagert. Insgesamt stiegen die deutschen Auslandsforderungen von Kreditinstituten, Unternehmen, Privatleuten, Staat und Bundesbank 2012 um 6,5 Prozent auf 7036 Milliarden Euro. Das teilte die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mit.

Die ausländischen Verbindlichkeiten nahmen unterdessen nur um 3,5 Prozent auf 5928 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich hat sich Deutschlands Netto-Auslandsposition damit um 228 Milliarden Euro auf rund 1107 Milliarden Euro erhöht - das sind 41,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Heimische Unternehmen und Privatpersonen inklusive Versicherungen und Investmentfonds erhöhten ihre Netto-Auslandsposition kräftig um 173 Milliarden Euro auf 1233 Milliarden Euro. „In dieser Entwicklung dürfte unter anderem die Suche privater Wirtschaftsakteure nach Rendite zum Ausdruck kommen, die nicht zuletzt Folge des niedrigen Zinsniveaus in Deutschland ist“, erklärte die Notenbank.

Mit plus 157 Milliarden Euro sei der Zuwachs ausländischer Anleihen in den Händen deutscher Anleger entsprechend hoch ausgefallen. Zudem weiteten Unternehmen angesichts optimistischer Erwartungen über das Wachstum der Weltmärkte ihre Direktinvestitionen jenseits der deutschen Grenzen aus.

Die Auslandsverbindlichkeiten staatlicher Stellen lagen Ende 2012 bei netto 1055 Milliarden Euro, nach 1036 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Notenbank führt das leichte Plus auf die Reputation des deutschen Staates als sicherer Hafen zurück. Das Volumen staatlicher Auslandskredite stieg derweil um 35 Milliarden Euro - durch Stützungsmaßnahmen in der europäischen Schuldenkrise. Neben direkten Krediten an Griechenland, Portugal und Irland wurde hierbei auch der deutsche Finanzierungsanteil am Euro-Rettungsfonds ESM verbucht.

Finanzinstitute beteiligten sich dagegen nicht an dem Trend, immer mehr Vermögen im Ausland zu halten. „Besonders zurückhaltend waren hiesige Banken bei der Buchkreditvergabe“, erklärte die Bundesbank. Die Experten begründeten das rückläufige Auslandsengagement mit der notwendigen Stärkung des Eigenkapitals der Geschäftsbanken. Auch die Finanzkrise im Euroraum dürfte die Institute vorsichtiger gemacht haben: Die grenzüberschreitende Netto-Vermögensposition der Geldhäuser sank auf 114 Milliarden Euro.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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