Minijobs: Mit 30 Euro Beitrag Rente von 730 Euro sichern

- Niklas K., 18, ist offenbar in der Schule nicht genug ausgelastet. Oder er will sich einen Wunsch erfüllen, der über das Taschengeld der Eltern weit hinausgeht. Jedenfalls jobbt er seit kurzem bei einer Tankstelle. Sein Chef ist damit einverstanden, dass er nicht nur für eine begrenzte Zeit, sondern dauerhaft Benzin einfüllt und Autos wäscht. Niklas K. arbeitet bei ihm auf 400-Euro-Basis.

<P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">400 Euro netto</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Die 400 Euro gehen netto auf seinem Girokonto ein: steuer- und auch sozialabgabenfrei, da der Arbeitgeber Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung pauschal mit 23 Prozent sowie 2 Prozent an das Finanzamt nicht nur abführt, sondern auch trägt. </P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">43 Jahre warten </P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Was Niklas (noch) nicht weiß: Für ihn wird erstmals ein Rentenkonto eingerichtet, auf dem 12 Prozent der 23 Prozent, die sein Chef von 400 Euro, also 48 Euro, an die Rentenversicherung zu zahlen hat, gespeichert werden. Später - vermutlich erst im Alter - wird dies einmal die Rente minimal erhöhen. Denn für zwölf Monate "versicherungsfreie geringfügige Beschäftigung" werden ihm nur 1,4 Monate auf die für seine Rente erforderliche Wartezeit von mindestens 60 Monaten angerechnet. Fazit: Wer auf die 60 Monate kommen will, der kann im wahren Sinne des Begriffs lange warten, nämlich knapp 43 Jahre. Und bei vorzeitiger voller Erwerbsminderung wird es mit einer solchen Rente gar nichts mehr.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Ein paar Prozent mehr</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Was Niklas und seine Eltern unbedingt wissen sollten: Würden die üblichen 19,5 Prozent (und nicht nur die 12 Prozent Arbeitgeber-Pauschale) an die Rentenversicherung gezahlt, sähe alles viel besser aus. Zwölf Monate Arbeit ergeben dann auch zwölf Monate Versicherungszeit. Das ist zwar für die Altersrente in ferner Zukunft ziemlich egal, weil bis dahin ja noch viel Zeit für die erforderlichen fünf Jahre übrig ist. Aber mit 7,5 plus 12 = 19,5 Prozent Beitragszahlung würde schon nach einem einzigen Monat Nebenjob eine gesetzliche Rente zu zahlen sein, wenn eine (nicht unbedingt "volle") Erwerbsminderung wegen eines Arbeitsunfalls eingetreten ist.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Wartezeit entfällt</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Sind schon zwölf Monate lang solche Beiträge gezahlt worden, gibt es bei voller Erwerbsminderung - auch wegen eines Freizeitunfalls oder einer schweren Krankheit - eine Rente. Denn ein Versicherter - und das wird Niklas bei Zuzahlung der am vollen Beitrag fehlenden 7,5 Prozent - muss die sonst üblichen Voraussetzungen (5 Jahre Wartezeit und 3 Jahre pflichtversichert) nicht in vollem Umfang erfüllen. Dies gilt bis zum Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung.</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Was ist zu tun?</P><P class=MsoNormal style="TEXT-ALIGN: justify">Niklas erklärt seinem Chef schriftlich, dass er ab sofort auf die Versicherungsfreiheit verzichtet. Dieser wird die dann von Niklas zu zahlenden 7,5 Prozent von 400 Euro (also 30 Euro) vom monatlichen Lohn abziehen. Vielleicht übernehmen seine Eltern ja diese Versicherungsprämie, wenn sie erfahren, dass eine mögliche Rente für ihren Sohn bei Eintritt einer vollen Erwerbsminderung im Laufe der nächsten Jahre monatlich etwa 730 Euro beträgt.</P>

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