Mini-Jobs mit Maxi-Wirkung: 100 Tage für 600 000 Stellen

- Die kleinsten Stellen bringen die größten Erfolge. Rund 100 Tage nach der Premiere der Mini-Jobs sind die Ergebnisse und die Reaktionen überwiegend positiv. "Das Einzige, was von den Hartz-Konzepten I und II funktioniert", lobt Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens. Noch immer werden täglich weitere 325-Euro-Stellen auf 400-Euro-Jobs umgestellt.

<P>Seit April dürfen Minijobber monatlich bis zu 400 Euro steuerfrei verdienen. Die Sozialabgaben und Steuern leistet der Arbeitgeber pauschal. Die starre 15-Stunden-Begrenzung ist weggefallen. Das Meldeverfahren wurde vereinfacht - seit April verwaltet die Bundesknappschaft zentral die Daten von über 6,1 Millionen geringfügig Beschäftigten. Hier werden auch die Beiträge eingezogen. 1,8 Millionen Arbeitgeber sind laut den aktuellsten Daten von Juni gemeldet.</P><P>Wer jetzt noch Mini-Jobber werden will, sollte sich zunächst darüber mit seinem Arbeitgeber einigen. Allerdings muss stets bedacht werden: Nur Jobs bis maximal 400 Euro Monatsverdienst können steuer- und sozialabgabenfrei sein. Allerdings sind auch nicht alle von den Abgaben befreit. Die Frist für die rückwirkende Befreiung von Sozialabgaben ist Ende Juni abgelaufen. Informationen zum Einzelfall gibt die Bundesknappschaft unter der bundesweiten Servicenummer (08000) 200 504.</P><P>Arbeitgeber müssen allerdings einige Stolperfallen im Arbeitsrecht beachten, wie sich nach 100 Tagen mit den neuen Jobs herausstellt. Für den Mini-Jobber gelten ähnliche Rechte wie für ganz normal Beschäftigte. Im Krankheitsfall muss der Chef deshalb weiterzahlen. Außerdem muss prinzipiell Erholungsurlaub gewährt werden. Fällt ein Feiertag auf den regulären Arbeitstag des Mini-Jobbers, bekommt er frei und trotzdem Geld.</P><P>Angeblich hat die Neuregelung bisher 600 000 neue Jobs im Niedriglohn-Bereich geschaffen, davon 30 000 in privaten Haushalten. Erwartet worden war zunächst die Hälfte. Diese Zahlen nennt der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Brandner. Die Bundesknappschaft will keine Zahlen bestätigen.</P><P>Die politische Bilanz fällt auch bei der Opposition wohlwollend aus - die Mini-Jobs waren Bestandteil des Regierungsprogramms der Union. "Die Mini-Jobs sind ein wichtiger Impuls für mehr Arbeit", sagt Arbeitsministerin Stewens (CSU). Weitere Schritte müssten nun folgen. Stewens kritisierte gegenüber unserer Zeitung allerdings die Kosten, die die Bundesknappschaft als Zentralstelle verursache: "Für 2003 sind 80 Millionen Euro Zusatzkosten eingeplant. Außerdem geht das Know-how der bisherigen Einzugsstellen bei den Kassen verloren."</P><P>Arbeitsmarkt-Experten bezweifeln vereinzelt jedoch die Effizienz der Reform. "Das wird sich als arbeitsmarktpolitischer Bumerang entpuppen", schreiben die Magdeburger Volkswirtschaftsprofessoren Ronnie Schöb und Joachim Weimann in der "FTD". Vor allem im Bereich gering qualifizierter Arbeit werde die Reform nur dazu führen, dass bestehende Stellen in zwei oder drei Mini-Jobs aufgeteilt würden, um Kosten zu sparen: "Zu mehr Beschäftigung führt das nicht."</P><P>Oder doch? Zumindest die Schattenwirtschaft wurde eingedämmt, haben einschlägige Experten errechnet. Erstmals seit 12 Jahren soll es in Deutschland heuer einen Rückgang der Schwarzarbeit geben.<BR></P>

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