Minus 10,3 Prozent pro Jahr: Die Flops der Fonds-Superstars

- Die Suche nach dem richtigen Fonds führt Anleger in einen Dschungel: Rund 6000 Aktien-, Renten-, Misch- und Immobilienfonds werben um die Gunst deutscher Investoren, darunter viele vermeintliche Börsenstars. Sie schmücken sich mit Spitzenbewertungen der Fondsrating-Agenturen, um Anleger von ihren Renditechancen zu überzeugen. Investoren sollten allerdings nicht allein auf die Werbung vertrauen.

<P>"Ein gutes Rating allein sagt längst nicht alles über die Fondsqualität", meint Stefan Kühnlenz von "Finanztest" der Stiftung Warentest. Etwa ein halbes Dutzend internationaler Agenturen nimmt ständig Fonds unter die Lupe und bewertet deren Rendite und Risiken oder auch die Qualität des Fondsmanagements. Das Ergebnis sind Sterne oder Buchstaben: So verleihen beispielsweise Standard & Poor/s und Morningstar als Bestnote fünf Sterne, bei Feri Trust steht ein A für ein Top-Rating.<BR><BR>Die Maßstäbe und Regeln sind allerdings uneinheitlich. So beobachtet Standard & Poor/s rund 10 000 Fonds und berücksichtigt dabei bereits ein Jahr alte Produkte. Feri Trust bewertet rund 800 Fonds, setzt bei ihnen aber ein Mindestalter von fünf Jahren voraus. So manch enttäuschter Anleger mag sich wundern, wenn er mit einem gut benoteten Fonds in den vergangenen Jahren viel Geld verloren hat, dieser aber weiterhin Spitzenbewertungen erzielt.<BR><BR>Das kann vor allem dann passieren, wenn eine bestimmte Fondsgruppe insgesamt ein negatives Ergebnis erzielt hat. Dann sagt ein gutes Rating lediglich aus, dass der entsprechende Fonds von allen Verlierern noch am besten davongekommen ist, erläutert Kühnlenz.<BR><BR>Und es gibt nicht wenige Flops am Fondsmarkt. So verbuchte der MSCI-Index für deutsche Aktienfonds in den vergangenen fünf Jahren ein jährliches Minus von 10,3 Prozent, bei europäischen Aktienfonds waren es minus 5,5 Prozent und bei weltweiten Fonds minus 3,8 Prozent.<BR><BR>Dennoch dauert der Fonds-Boom in Deutschland an. Nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) ist das Fondsvermögen in den vergangenen zehn Jahren jährlich um über 20 Prozent gestiegen.<BR>Anleger sollten sich von Fonds-Hitlisten und Rating-Bestnoten nicht blenden lassen. Selbst ein einhelliges Top-Ranking schütze erfahrungsgemäß nur bedingt vor einem Performanceflop, sagt BVI-Sprecher Frank Bock. Zudem sei es unmöglich, im Vorhinein herauszufinden, welche Fonds einen überdurchschnittlichen Wertzuwachs haben würden.<BR><BR>Bei der Suche nach dem geeigneten Investment sollten Sterne oder Buchstaben nicht den Ausschlag geben, betont Kühnlenz. Wichtiger sei die Frage, in welche Märkte und wie viel der Anleger für welchen Zeitraum investieren wolle. Anschließend sollte man sich die Struktur der ausgewählten Fonds genau ansehen. Die Frage nach der Bewertung stelle sich erst am Schluss. Grundsätzlich sollte man immer mehrere Ratings berücksichtigen und dabei vor allem auf lange Untersuchungszeiträume achten, betont der Experte.<BR><BR>Anleger lassen sich von den Fondsbewertungen offenbar weniger beeindrucken, als das so mancher Werbestratege hoffen dürfte. Nach Untersuchungen des BVI wird weder die Liste der größten noch die der meistverkauften Fonds regelmäßig von preisgekrönten Produkten angeführt. Verkaufserfolge erzielten im Gegenteil oft Fondsneuheiten, mit denen sich die Agenturen gar nicht beschäftigten.<BR><BR>www.bvi.de<BR>www.finanztest.de<BR></P>

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