HVB misslingt der Neustart

- München - Schließlich schaffte es Albrecht Schmidt, der Aufsichtsratsvorsitzende der HypoVereinsbank, ein paar Lacher seiner Aktionäre zu gewinnen. Immer wenn einer der Kleinanleger auf der Hauptversammlung der Bank in München ihn verbal abgewatscht hatte und Schmidt sich anschließend pflichtgemäß für den Beitrag bedankte, hatten die Aktionäre ihre Schadenfreude.

<P> Mit Schmidt, dem ehemaligen Vorstandschef, verbinden sie die schlechten Zeiten der Bank, mit Dieter Rampl, seinem Nachfolger, hoffen sie, bessere zu erleben. Selbst wenn der Neuanfang der HypoVereinsbank im Jahr 2004 danebenging.</P><P>"Aufsichtsrat" ist für Kleinaktionäre der HVB aus zwei Gründen ein Reizwort. Einer ist die Person Schmidt. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende trägt nach Ansicht von Anlegern eine Mitschuld an der schweren Krise der Bank. </P><P>Trotzdem wechselte er direkt vom Vorstand in den Aufsichtsrat des Instituts - als dessen Vorsitzender. Damit wurde in den Augen manches Anteilseigners der Bock zum Gärtner gemacht. Nicht jeder zeigte sich so nachsichtig wie der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Carsten Heise, der Schmidt zubilligte: "Wenn sich jemand mit der Überwachung auskennt, dann er. Denn er hat ja zum Entstehen der meisten Probleme selbst beigetragen."<BR><BR>Der andere Grund für die Reizwirkung ist das Gezerre um die Wahl des Aufsichtsrats. Die musste bei der gestrigen Hauptversammlung wiederholt werden, weil die Mitglieder des Kontroll-Gremiums im Vorjahr im Block gewählt worden waren und nicht - wie von Aktionären gefordert - einzeln. Dabei erhielt Schmidt mit 97,31 % die wenigsten Ja-Stimmen unter allen Aufsichtsräten.</P><P>Die Wahlwiederholung und Urteile gegen die HypoVereinsbank wegen der Vermittlung von "Schrottimmobilien" in Ostdeutschland setzen eine Reihe von schlechten Nachrichten über das Institut fort. "Die Bank zieht Probleme an wie ein Magnet", sagte Heise. Trotzdem billigte er der HVB eine positive Entwicklung zu. Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Harald Petersen, befand: "Wir haben heute eine ganz andere Bank als vor einem Jahr. Aber: Die Zahlen sind weiterhin schlecht."<BR><BR>Trotz aller Umbauten am Konzern wie dem Verkauf von Beteiligungen, der Abspaltung der Immobiliensparte und einer Kapitalerhöhung hat das Institut im ersten Quartal 2004 seine Ziele nicht erreicht, wie Rampl einräumte. Der Gewinn von 53 Millionen Euro lag weit unter den Erwartungen der Analysten. Die HypoVereinsbank-Aktie schmierte zwischenzeitlich über zehn Prozent auf 14,38 Euro ab. "Wir sind unvermindert zuversichtlich, auf der Ertragsseite im Jahresverlauf noch kräftig zulegen und unsere für 2004 angekündigten Ziele erreichen zu können", erklärte Rampl. Das Betriebsergebnis soll heuer von 900 Millionen Euro auf 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro gesteigert werden.<BR><BR>Rampl bestärkte das Interesse der HypoVereinsbank an Sparkassen. Dass sich der öffentliche Bankensektor gegen ein Zusammengehen wehre, finde er "bedauerlich". Zur Fusion mit einer inländischen Großbank - hierfür brachte sich die Commerzbank ins Spiel - sagte er: "Ob ein inländischer Partner uns hinsichtlich Strategie und Profitabilität überhaupt weiterbringt, ist die Frage."</P>

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