Start-Up-Unternehmen will Datenübertragung revolutionieren

High-Tech-Datentransfer: Ein Laserstrahl-Netzwerk für den Weltraum

  • Martin Prem
    VonMartin Prem
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Laserstrahlen könnten die Datenkommunikation von der Erde in die Luft und den Weltraum auf neue Beine stellen. Ein Start-up-Unternehmen am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen könnte dabei eine Schlüsselrolle einnehmen.

Die Grob G 520 Egrett ist oben und unten am Rumpf mit Technik von Mynaric ausgestattet. Sie kann damit sowohl mit der Erde als auch dem Weltraum, aber auch mit anderen Flugzeugen, in Verbindung treten.

Oberpfaffenhofen – Dass Licht sich als Träger für Daten eignet, ist bekannt. Meist funktioniert es über Glasfaserkabel. Doch es geht auf ganz ähnliche Weise auch ohne Kabel – per Laser. Ein Start-up-Unternehmen vor den Toren Münchens hat sich diesem Thema verschrieben. Mynaric, eine Ausgründung aus dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), will damit leistungsstarke Datenverbindungen auch in den Weltraum aufbauen. Gestern hat Mynaric in einer Halle am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen die Produktion offiziell gestartet.

Weltweit gibt es nur eine einstellige Anzahl von Unternehmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, in Deutschland ist es Tesat Spacecom aus dem Airbus-Konzern und eben Mynaric. Das Unternehmen wird von Bulent Altan geleitet, zwölf Jahre lang hat er bei Elon Musks SpaceX gearbeitet. So ist es wenig überraschend, dass das Unternehmen, das mit 210 Mitarbeitern noch eher klein ist, schneller als andere auf den Markt drängt.

Es handelt sich um hochsensible und von Deutschland inzwischen streng bewachte Technologie. Geschäfte mit China sind für Mynaric inzwischen tabu. Dafür fehlt dem Unternehmen ein wichtiger Markt – andererseits ist das Verbot ein Signal, dass man in sehr wichtigen und auch sicherheitsrelevanten Zukunftstechnologien unterwegs ist.

Bodenstationen werden in der Zentrale knapp außerhalb des Flughafens gefertigt, das fliegende Equipment in der neuen Halle. Für diese Terminals standen zwei Raubvögel Pate: Hawk (Habicht) steht für eine Installation, die mit einem Gewicht von weniger als zehn Kilogramm an Flugzeugen installiert werden kann. Condor ist für Satelliten, aber auch andere Flugkörper im All gedacht. Daneben sind auch ganze andere Anwendungen denkbar, etwa im Landverkehr, aber auch für Schiffe auf den Ozeanen.

Selbst der gebündelte Laserstrahl wird nach hunderten Kilometern ein Lichtkegel von mehreren Metern Durchmesser. Doch auch ein kleiner Ausschnitt enthält die auf die Lichtwellen als Träger aufmodulierten Informationen. Bei Condor sind vier Einheiten für Aussendung und Empfang im Einsatz, sodass man über diese Schnittstellen ein gewaltiges laserbasiertes Lichtwellennetzwerk aufbauen kann, das die ganze Erde umspannt.

Die Entfernung ist bei der Datenübertragung per Laser ein kleineres Problem. Weit schwieriger sind die ersten Kilometer über der Erdoberfläche: die Troposphäre, in der sich das Wettergeschehen abspielt. Denn dicke Wolkenschichten sind für Laser ein undurchdringliches Hindernis. Es käme also darauf an, so viele Verbindungen zu haben, dass der Kontakt zwischen dem Geschehen am Himmel und auf der Erde immer gegeben ist.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Daten über Flugzeuge zu leiten, die in dieser Hinsicht gewissermaßen als Gelenk für den Datentransfer dienen. Hier hat sich Mynaric mit dem Allgäuer Flugzeugbauer Grob verbündet.

Die Grob G 520 Egrett wurde in den 1980er-Jahren als Höhenforschungsflugzeug entwickelt und sollte auch als Aufklärer für die Bundeswehr Dienst tun. Es kann in beiden Welten agieren: In bis zu 15 Kilometern Höhe – also oberhalb des Wettergeschehens, aber natürlich auch in Bodennähe. Die für Mynaric im Einsatz befindliche Maschine ist oben wie unten mit einem Hawk-Terminal ausgestattet.

Das ist auch eine späte Genugtuung für die Konstrukteure des Flugzeugs, das mehrere bis heute gehaltene Weltrekorde eingeflogen hatte, aber von der Bundeswehr im Rahmen der Amigo-Affäre in den 80er-Jahren aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Die Affäre kostete außerdem auch 1983 dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl den Job, der sich von Firmenchef Burkhart Grob allzu großzügig sponsern ließ. Die Grob G 520, deren technische Qualitäten niemals bestritten wurden, könnte durch den Werbeträger Mynaric mit neuem Motorkonzept und aktuellem Glascockpit vor einem neuen wirtschaftlichen Höhenflug stehen.

Rubriklistenbild: © Martin Prem

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