Mitarbeiter-Protest trübt Stimmung bei Siemens

- München - Es ist das Dilemma von Aktionärsversammlungen: Die, die am lautesten schreien müssen, um sich Gehör zu verschaffen, haben am Ende am wenigsten zu sagen. Anlässlich der heutigen Hauptversammlung von Siemens haben Mitarbeiter des Münchner Standorts Hofmannstraße zur Demonstration aufgerufen. Sie beklagen eine unsoziale Unternehmenskultur und werden ihre Vorwürfe in einem Gegenantrag vorbringen. Wenn es ernst wird, werden ihre paar Stimmen aber untergehen. Die meisten Investoren sind dank guter Geschäftszahlen mit Siemens zufrieden.

<P>Anträge von Atomkraftgegnern gehören zu alten Ritualen bei Siemens-Hauptversammlungen. Diesmal konzentrieren sie sich auf den geplanten Export der Hanauer Plutonium-Verarbeitungsanlage nach China. Was es seltener gab, sind Proteste der Mitarbeiter. Beschäftigte des Standorts Hofmannstraße haben eine Demonstration angekündigt. In der dort ansässigen Netzwerksparte ICN wurde ein Drittel der Stellen abgebaut. Und das teilweise auf unfeine Art, wie die IG Metall beklagt. 200 Kündigungen wurden nach Gewerkschaftsangaben ausgesprochen. 64 davon habe das Arbeitsgericht schon kassiert, weil keine angemessene Sozialauswahl stattgefunden habe. Siemens habe in keinem Fall gewonnen. Um unerwünschte Mitarbeiter loszuwerden, greife das Unternehmen zu "klassischen Zermürbungstaktiken", heißt es in einem Protestaufruf des Mitarbeiternetzes NCI. "Rund 400 offensichtlich unerwünschte Mitarbeiter sind seit über einem Jahr ohne Arbeit oder werden mit einer sinnlosen Alibi-Tätigkeit kaltgestellt." Zudem befürchten die Arbeitnehmer-Vertreter eine zunehmende Verlagerung von deutschen Arbeitsplätzen in Billiglohnländer.</P><P>Derartige Maßnahmen stören die meisten Aktionäre nicht. Ein Vertreter der Fondsgesellschaft DWS wird Siemens-Chef Heinrich von Pierer mit einem Kapitän vergleichen, der sein Boot gut durch raue See gesteuert hat. Die Siemens-Aktie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um über 70 Prozent und schnitt damit weit besser ab als der Dax. Das Geschäftsjahr 2002/03 brachte einen deutlichen Zuwachs beim Gewinn. Und auch das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres, über das Pierer heute berichtet, wird für Investoren wohl gute Nachrichten bringen.</P>

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