Mittel gegen Mietnomaden: Wie sich Hausbesitzer schützen

- Menschen, die in betrügerischer Absicht ihre Miete nicht mehr zahlen, können Vermieter ruinieren. Privateigentümer mit nur ein oder zwei Wohnungen sind häufige Opfer solcher "Mietnomaden", die von Juristen "Einmietbetrüger" genannt werden. "Kleine Vermieter trifft es hart, weil sie ihre Immobilie oft zur Altersvorsorge angeschafft haben", sagt der Sprecher des Eigentümerverbands Haus & Grund, Stefan Diepenbrock. Bleiben Einnahmen aus, "gerät der Vermieter im schlimmsten Fall in die Insolvenz". Ein Massenphänomen sind Mietnomaden freilich nicht. Dennoch sollten Vermieter kritisch sein.

Gesundes Misstrauen

"Möglichst viele Informationen einholen" plus "gesundes Misstrauen", hält Stefan Diepenbrock für einen guten Weg zum Selbstschutz. Vermieter dürften sich nicht ausschließlich auf Angaben oder Auftreten von Interessenten verlassen. "Ein dickes Auto ist kein Zeichen von Seriosität", sagt der Haus & Grund- Sprecher. Diepenbrock baut auf handfeste Auskünfte, zum Beispiel über finanzielle Verhältnisse und Zahlungsmoral.

Fragen nach Problemen mit früheren Vermietern und Einträge in Schuldner-Verzeichnissen können genauso helfen wie ein Mieter-Solvenz- Check. Solche Listen bieten verschiedene Verbände an. Nach Angaben des Eigentümerverbands entsprechen die Fragen den Datenschutzrichtlinien. Eine Möglichkeit sei die Mieter-Selbstauskunft. Darin bescheinigt der frühere Vermieter, dass die Miete vertragsgemäß bezahlt wurde und keine Rückstände aufgelaufen sind. 

Klagen dauert

"Einmietbetrüger wissen, dass es lange dauert, bis sie rausgeklagt sind", sagt die Rechtsanwältin Bettina Schmidt aus Frankfurt. "Kündigt ein Vermieter fristlos, weil zwei Monate die Miete ausblieb, und widerspricht der Mieter mit Hilfe eines Anwalts, vergehen bis zur Zwangsräumung unter Umständen Jahre." Auch ohne Anwalt können sich Gerichts- und Räumungsverfahren bis zu einem Jahr hinziehen. 

Pfandrecht kann helfen

Geld bekommt der Vermieter in der Zeit nicht. Im Gegenteil: "Er muss die Räumungskosten vorfinanzieren. Gericht, Gerichtsvollzieher, die Spedition, die die Wohnung leer räumt und die Einrichtung einlagert, Renovierung", zählt Schmidt auf. Insgesamt können Haus & Grund zufolge Kosten um die 20 000 Euro auflaufen. Es besteht wenig Aussicht, diese von den Mietern zurückzuholen. Deshalb rät Bettina Schmidt, beim Gerichtsvollzieher ein Vermieterpfandrecht anzumelden: Alles was verwertbar ist, kann der Wohnungsbesitzer dann nach einer bestimmten Frist zu Geld machen.

Gespräch suchen

Gegenüber säumigen Mietern plädiert die Anwältin für rigoroses Ausschöpfen der gesetzlichen Möglichkeiten: "Einmal nicht gezahlt, sofort mit Zahlungsaufforderung abmahnen und mit Kündigung drohen." Danach sollten beide Parteien miteinander reden und -falls der Mieter in echte Finanznot geraten ist -einen Ausweg suchen. Das könnte zum Beispiel ein Antrag auf Wohngeld sein. Der Vorteil für den Vermieter: Der Staat zahlt regelmäßig. 

Sicherheit schaffen

Um die eigenen finanziellen Verpflichtungen trotzdem zu erfüllen, sollten Vermieter sicherheitshalber eine Jahresmiete auf die Seite legen. Auch Kaution und Bankbürgschaft dienen der Absicherung des Besitzers. "Die Kaution hilft, Kosten zu decken", sagt Diepenbrock. Ratsam sei, vor der Schlüsselübergabe möglichst den Eingang des Geldes abzuwarten. Generell gilt: "Den Schlüssel erst nach Vertragsunterzeichnung abgeben."

Tapeten-Trick

Wer die Renovierungskosten niedrig halten will, vermietet "nackt, aber sauber". Denn die Vorstellung, selbst zu tapezieren, schreckt "Mietnomaden" ab.

Selbsthilfe strafbar

Selbsthilfe bei "Mietnomaden" ist strafbar. Schlösser auszutauschen oder das Wasser abzudrehen, ist illegal, warnt Stefan Diepenbrock vom Eigentümerverband Haus & Grund in Berlin. Die Wohnung während der Abwesenheit des Mieters zu räumen, erfüllt den Tatbestand der Nötigung. Das Einzige, was helfe, sei eine fristlose Kündigung. Die ordentliche Kündigung sollte zur Schadensbegrenzung gleich parallel nachgeschickt werden.

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