Mittelständler bleiben dem Standort treu

- München/Hamburg - Die Angst vor massiven Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland durch mittelständische Unternehmen scheint weitgehend unbegründet: In einer Umfrage der Unternehmensberatung Weissman & Cie. aus Nürnberg unter 1000 nicht börsennotierten Unternehmen mit einem Umsatz zwischen drei Millionen und einer Milliarde Euro erklärten die Firmen, im Durchschnitt heute 16,8 Prozent ihrer Mitarbeiter im Ausland zu beschäftigen.

"Deutschlands Mittelstand sucht im Ausland vornehmlich nach Märkten, nicht nach billigen Arbeitskräften."

Arnold Weissman

In fünf Jahren sollen es trotz erheblichen Wachstums des Auslandsanteils mit 17,8 Prozent der Mitarbeiter nur unwesentlich mehr sein, wie Firmengründer Arnold Weissman sagte.

"Deutschlands Mittelstand sucht im Ausland vornehmlich nach Märkten, nicht nach billigen Arbeitskräften. Die Auslandsstrategien werden am Ende mehr Arbeitsplätze in Deutschland schaffen als vernichten", erläuterte Weissman. Das Ergebnis widerspricht dem Szenario, das Verbände und Wirtschaftsinstitute zum Teil aufbauen, wonach der deutsche Mittelstand im Ausland hauptsächlich billige Produktionsstätten sucht. Weissman erklärt dagegen: "Der deutsche Unternehmer will in Deutschland bleiben, aus Standortverbundenheit, unternehmerischer Verantwortung und auch wegen vieler objektiver Vorteile des Standorts." In 85,3 Prozent der Unternehmen sei weiter Deutsch die Firmensprache, 13,3 Prozent gingen auf Englisch über.

Fast drei Viertel der befragten Unternehmen haben der Studie zufolge noch keine Produktionsstandorte im Ausland. Jene Unternehmen, die ausländische Produktionsstandorte unterhalten, wollen zu 48,8 Prozent die dortigen Standorte rascher ausbauen, 34,1 Prozent die inländischen und bei 17,1 Prozent der Unternehmen sollen inländische und ausländische Produktionsstandorte gleichwertig ausgebaut werden. Weissman: "Auch bei den produzierenden Unternehmen kann nach unseren Ergebnissen nicht von einem übermäßigen Verlagerungswillen von Arbeitsplätzen ins Ausland gesprochen werden."

Laut Weissman-Studie beträgt der durchschnittliche Auslands-Umsatzanteil des Mittelstandes rund 20 Prozent. In fünf Jahren wollen die befragten Unternehmen mittelfristig im Schnitt 34 Prozent ihres Umsatzes im Ausland machen. Ein großer Anteil des deutschen Mittelstandes (45 Prozent) hat keinerlei Auslandsgeschäft. Es handelt sich hier vornehmlich um kleinere und mittelgroße Unternehmen, die oft regional orientiert sind. Immerhin 15 Prozent der Unternehmen erwirtschaften mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

Bei den Unternehmen mit Auslandsumsatz werden 61 Prozent vom gesamten Auslandsumsatz in Westeuropa erwirtschaftet. Es folgen Osteuropa mit 18,9 Prozent, USA (9,8 Prozent), Asien ohne China (6,7 Prozent) und China (3,7 Prozent). Die Konzentration des Mittelstandes auf Westeuropa wird aber zurückgehen. 32,9 Prozent der im Ausland tätigen Unternehmen sehen künftig in Osteuropa den am stärksten wachsenden Markt.

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