Mittelstand im Blickpunkt: Der Jobmotor droht zu stottern

Der Mittelstand trumpft auf: Während große Konzerne immer häufiger mit negativen Schlagzeilen auffallen, zeigen sich kleine und mittlere Betriebe als Jobmotoren. Dabei hilft allerdings die Statistik mit.

Für den steten Beschäftigungsaufbau in den vergangenen Jahren sei der klassische Mittelstand mit 50 bis 500 Mitarbeitern "fast allein verantwortlich", befindet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln und betont, dass dagegen Großunternehmen in dieser Zeit mehr Mitarbeiter entlassen als eingestellt hätten.

"Jobs, Jobs, Jobs" prangt daher auf dem Titel ihrer aktuellen Mittelstands-Studie. Diese besagt, dass der Mittelstand knapp 83 Prozent aller Auszubildenden und 79 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland beherbergt - allerdings nur mit rund 39 Prozent am Gesamtumsatz beteiligt ist (siehe Grafik). Seit dem "Rezessionsjahr 2003" hätten mittelständische Unternehmer bis 2007 insgesamt 300 000 Menschen mehr eingestellt, während die Größeren ihre Stammbelegschaften um etwa 150 000 Beschäftigte verkleinert hätten (siehe Grafik). Auch bei der Umsatzrendite schnitten die Konzerne dem Institut zufolge mit zwei bis drei Prozent schwächer ab als der Mittelstand mit rund fünf Prozent.

Dieses enorme Wachstum sei allerdings statistisch überhöht, relativiert Klaus-Heiner Röhl, beim Institut der deutschen Wirtschaft für Mittelstands- und Regionalpolitik zuständig. Das enorme Beschäftigten-Plus von über drei Prozent und die Gewinnzuwächse würden zwar von der Grundtendenz her stimmen. Aber man müsse berücksichtigen, dass viele größere Unternehmen so viele Stellen abgebaut hätten, dass sie jetzt unter die 500-Mitarbeiter-Grenze fallen und damit in dieser Statistik zum Mittelstand zählen. "Dazu kommt, dass viele Konzerne aus wirtschaftlichen Gründen Produktionen auslagern und diese Aufträge an mittelständische Betriebe geben", erklärt Röhl. Die neue Kraft des Mittelstands ist demnach nur bedingt aus sich selbst gewachsen.

"Sie sind von Aufträgen der größeren Firmen abhängig", sagt Röhl, "und auch nicht abgekoppelt von allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklungen." Zumal sich bereits jetzt eine gespaltene Konjunktur abzeichne: Während produktionsnahe Betriebe profitieren, leiden Dienstleister und Handelsbetriebe schon länger unter dem schwachen privaten Konsum.

Auch bei der weltweiten Finanzkrise sind die Mittelständler nicht außen vor. Eine aktuelle Befragung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter mehr als 4000 kleinen und mittleren Unternehmen zeigt: Die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen werden durch die Bankenkrise beeinträchtigt. Ein Drittel (32,5 Prozent) der befragten Unternehmen gibt an, dass der Zugang zu Finanzmitteln seit dem vergangenen Herbst schwieriger oder sogar deutlich schwieriger geworden ist. Und 63 Prozent der Firmen, die einen Kredit aufnehmen wollen, rechnen mit ernsthaften Schwierigkeiten.

"Die mittelständische Konjunktur hat ihren Zenit überschritten", lautet daher auch das Fazit des Mittelstands-Monitors. Der Jobmotor droht ins Stottern zu kommen. Einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge blicken die Mittelständler in Bayern skeptischer auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als vor einem Jahr. 64 Prozent der befragten Unternehmen hätten sich zufrieden geäußert. Im Vorjahr waren es 87 Prozent.

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