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Neue Standards für Rechnungen? 

Dem Mittelstand droht ein Bürokratie-Monster

München - Ein Damoklesschwert hängt über kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Ihnen droht, dass sie ihre Rechnungslegung nach internationalen Vorschriften ausrichten müssen. Das würde hohen Mehraufwand bedeuten.

Die Adresse in der Londoner Cannon Street 30 ist den wenigsten Menschen bekannt. In einem repräsentativen Gebäude residiert dort das „International Accounting Standard Board“ (IASB), eine privatwirtschaftliche Organisation, deren Arbeitsergebnisse für viele Unternehmen in der ganzen Welt ehernes Gesetz werden: Sie legt die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) fest. Sobald die EU-Kommission in Brüssel für so ein Werk grünes Licht gibt, ist es auch für Unternehmen in Deutschland geltendes Recht – ohne dass je ein gewähltes Parlament darüber befinden konnte. Der Genossenschaftsverband Bayern warnt , dass sie künftig auch für kleine Unternehmen gelten können.

Die IFRS gelten heute schon für Konzerne und große Unternehmen, die ihre Abschlüsse nach diesen internationalen Standards erstellen müssen. Das hat für Aktiengesellschaften oder Unternehmen, die Anleihen begeben, durchaus Sinn. Denn, damit haben Investoren weltweit eine einheitliche Beurteilungsgrundlage für ihre Anlageentscheidungen. Doch jetzt wirbt die Londoner Organisation verstärkt für eine verbindliche Anwendung einer angeblich schlanken Version ihrer Vorschriften auch für kleinere Unternehmen. Alexander Büchel, Vorstandsmitglied des Genossehnschaftsverbandes sieht eine „konkrete Gefahr für den Mittelstand“, zu dem auch die genossenschaftlich organisierten Unternehmen in Bayern zählen.

Die IFRS-Vorschriften stellen auf den Kapitalmarkt ab. Sie informieren Anleger über die Unternehmen, die von ihnen Geld bekommen. Kapitalmarktfinanzierung ist aber für den Mittelstand in Deutschland praktisch kein Thema. Er finanziert sich fast ausschließlich über Eigenmittel und Bankkredite. Genau dazu passt das Handelsgesetzbuch (HGB). Mit dem bisher alleinverbindlichen HGB-Abschluss legen Kaufleute Rechenschaft über das ihnen anvertraute Kapital und dessen Verwendung ab.

„Der Sinn der Pläne ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Büchel. Die IFRS seien für kleine und mittelständische Unternehmen „völlig ungeeignet.“ Sie bieten ihnen keinen Vorteil. Stattdessen erfordern sie enormen bürokratischen Mehraufwand. Selbst die schlanke Version umfasst 230 Seiten. Und im Zweifel müssen auch Mittelständler doch immer wieder die vollständige Version der internationalen Vorschriften zu Rate ziehen. Und die sind selbst für Konzerne schwer zu handhaben. Allein schon, weil sie teilweise fehlerhaft ins Deutsche übersetzt worden seien. Das zumindest kritisieren betroffene Unternehmen. Darüberhinaus bräuchten Unternehmen bei IFRS zwei Abschlüsse. Denn die deutschen Finanzämter begnügen sich mit dem Werk aus London nicht – sie wollen immer einen Abschluss nach den HGB-Vorschriften. Das bedeutet doppelte Arbeit – mindestens.

Bislang hat sich die EU offiziell gegen die Pläne ausgesprochen. Doch Büchel fürchtet, dass sich die IFRS-Rechnungslegung schleichend auf den deutschen Mittelstand ausweitet. Dem will er entgegentreten. Denn das würde, so warnt er, letztlich auch die genossenschaftlichen Geschäftsmodelle bedrohen.

Martin Prem

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