Mittelstand erwartet 2005 keine Besserung der Lage

- Berlin - Mittelständler in Deutschland bleiben für 2005 pessimistisch: Nach einer Studie erwarten rund 80 Prozent auch im kommenden Jahr keine geschäftliche Besserung. Die aktuelle Lage wird von rund 70 Prozent der mittelständischen Betriebe mit der Note vier oder schlechter bewertet. Dennoch wollen fast 60 Prozent der Befragten ihren Mitarbeiterbestand im kommenden Jahr halten, knapp ein Viertel ihn sogar aufstocken. Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung hervor, die die Forschungsstelle mittelständische Wirtschaft der Philipps-Universität-Marburg und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) am Dienstag in Berlin vorstellten.

Noch 17 Prozent der Befragten gingen in der Studie von einer Verringerung der Beschäftigtenzahl im kommenden Jahr aus. Befragt wurden 1 700 Unternehmer. Rund 71 Prozent vertraten Unternehmen mit weniger als eine Million Euro Umsatz. Zur Bewertung ihrer Geschäftslage konnten sie Noten von 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) geben. Ein besonders düsteres Bild hätten Unternehmer in Ostdeutschland gezeichnet.<BR><BR>Die Unternehmen beklagten insbesondere Bürokratie und staatliche Regulierung, die hohe Steuerbelastung und Finanzierungsprobleme. Nach Ansicht der Marburger Wissenschaftler wird die negative Einschätzung der Geschäftslage in großem Maße dadurch bestimmt, dass viele Mittelständler die Freude am Unternehmertum verloren hätten. Ursachen dafür seien das Negativ-Image der Unternehmer in der Öffentlichkeit und ein aus Mittelstandssicht schlechtes Gründungsklima, sagte Michael Lingenfelder von der Marburger Universität.<BR><BR>Das öffentliche Unternehmerbild werde als "von Neid und Missgunst geprägt" empfunden. Das Negativimage müsse durch "das Bild des Unternehmers als tragende Säule unseres Gemeinwesens ersetzt werden". Der BVMW-Hauptgeschäftsführer Gerd Behnke kündigte an, für eine solche "Optimismuskampagne" sollten Verbündete bei den anderen Wirtschaftsverbänden gesucht werden.<BR><BR>Mit Vorurteilen von Akademikern gegenüber Jobs in kleinen und mittleren Unternehmen will eine Studie der Bundesagentur für Arbeit aufräumen. Viele Studierte bevorzugten Großunternehmen, weil sie autoritäre Strukturen in kleinen Firmen befürchteten, teilte die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur in Bonn mit. Diesen Ansichten begegne die Studie mit Informationen zur Vergütung, Anforderungsprofilen und dem Hinweis, dass pro Jahr 70 000 kleine und mittlere Firmen einen Unternehmensnachfolger suchten.

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