Mittelstand: Fitnesskur für Finanzen

- München - Der Mittelstand, traditionell das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, steht im kommenden Jahr nach Ansicht von Experten vor großen Herausforderungen. Die schwache Binnenkonjunktur zwingt weiter zur Internationalisierung, Basel II und das Ende der Staatshaftung für Sparkassen macht eine Fitnesskur für die Finanzstrukturen der meist kleinen Unternehmen erforderlich.

Auf Grund der sehr vorsichtigen Konjunkturerwartungen für 2005 "wird es vermutlich nicht ausreichende Wachstumsimpulse geben, um eine Trendwende bei den verhalten optimistisch eingestimmten Unternehmern herbeizuführen", meint Mittelstandsexperte Peter Englisch vom Beratungskonzern Ernst & Young. Deshalb hält der Drang ins nachfragestärkere Ausland unvermindert an. Und viele große Kunden verlangen von ihren Zulieferern, sie in wesentliche Auslandsmärkte zu begleiten oder aber die Markterfordernisse verlangen eine zunehmende Internationalisierung im Beschaffungs- und Absatzbereich, konstatiert Englisch.

Doch selbst wer nicht auf den Globalisierungszug aufspringt - und dies sind die meisten Mittelständler - sieht sich zumindest mit schwierigeren Verhandlungen mit seinen Geldinstituten konfrontiert. "Die Unternehmen müssen ihre Hausaufgaben machen", fordert Joachim E. Schielke, Vorstandschef der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank). Er zitiert aus einer Studie der Siemens Financial Services, wonach die Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen im europäischen Vergleich im Durchschnitt etwa 13 Prozent niedriger sei. Bei Firmen mit einem Umsatz unter 40 Millionen Euro seien es sogar 30 Prozent.

Anscheinend ist das Problem aber zumindest in Teilen erkannt. Eine Untersuchung der DZ-Bank kommt zu dem Schluss, dass über die Hälfte der von ihr befragten Mittelständler in den kommenden Jahren ihren Gewinn thesaurieren, also auf die hohe Kante legen will, um ihre Eigenkapitalbasis zu stärken, um damit besseren Zugang zu Fremdkapital zu haben. Dafür gibt es inzwischen auch diverse Programme. So bietet etwa die KfW-Bankengruppe Darlehen mit bis zu sieben tilgungsfreien Jahren an, damit Gründer oder Mittelständler investieren können.

Für die viel gelobten Existenzgründer sollen 2005 neue Finanzierungsfonds aufgelegt werden. Diese Programme dürften sich schon deshalb großen Zuspruchs erfreuen, weil die meisten Mittelständler ausgesprochen klein sind. Knapp zwei Drittel der etwa 3,4 Millionen Mittelständler beschäftigten weniger als fünf Mitarbeiter. Nur drei Prozent haben mehr als 50 Leute.

Ernst & Young erwarte vom kommenden Jahr, dass sich hier zeigen wird, ob die vielen lobenswerten Finanzierungsinitiativen auf Bundes- als auch auf Länderebene tatsächlich greifen. 2003 hatten die Mittelständler nämlich laut KfW 15 Prozent weniger investiert; Hauptgrund war das Scheitern von Kreditverhandlungen.

Insgesamt aber ist Englisch zuversichtlich für die kleinen und mittleren Unternehmen: "Die Säule der deutschen Wirtschaft, der Mittelstand, wird sich nach unserer Einschätzung den Herausforderungen erfolgreich stellen."

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