Mittelstand glaubt an den Boom

München - Während manche Ökonomen erste konjunkturelle Bremsspuren in Deutschland ausmachen, vertraut der Mittelstand weiter auf den Aufschwung. Wie aus einer Umfrage des Kreditspezialisten Creditreform unter 4000 kleinen und mittleren Betrieben hervorgeht, beurteilen die meisten Firmen ihre aktuelle Situation als positiv und rechnen auch in den kommenden Monaten mit guten Geschäften.

"Die Stimmung ist bestens", kommentierte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl die Ergebnisse in München.

Über die Hälfte der Unternehmen und damit deutlich mehr als im vergangenen Jahr stuften ihre Lage als sehr gut oder gut ein. Nur vier Prozent votierten mit mangelhaft. Der Grund: Die Umsätze stiegen in den letzten sechs Monaten bei knapp 40 Prozent der Betriebe, etwas mehr wiesen unveränderte Erlöse aus - wobei sich das Bild je nach Branche unterscheidet. Der Dienstleistungssektor und das verarbeitende Gewerbe legten zu, während Bau und Handel Rückgänge hinnehmen mussten. Fachleute führen das auf die schwache Konsumnachfrage und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zurück.

Einzelhändler und Bauunternehmer sind es dann auch, die etwas weniger optimistisch in die Zukunft schauen als im vorigen Jahr. Allerdings erwartet die Mehrheit keinen Einbruch, sondern zumindest stabile Umsätze. Fast schon euphorisch sind Dienstleister und Industrie: Mindestens zwei von fünf Unternehmen dieser Branchen erwarten steigende Gewinne, jedes Dritte mehr Umsatz.

Von der Zuversicht der Mittelständler profitiert auch die Gesamtwirtschaft. Nachdem sie in den vergangenen Monaten nach Creditreform-Angaben bereits hunderttausende Jobs geschaffen haben, will in nächster Zeit jeder fünfte der befragten Betriebe seine Belegschaft aufstocken. Das sind deutlich mehr als vor Jahresfrist. Rödl: "Der Jobmotor kommt nicht zum Stillstand."

Auch die Investitionslust lässt nicht nach. Hatten sich die Unternehmen in der Vergangenheit bei guten Konjunkturaussichten oft zurückgehalten, wollen sie jetzt zunehmend Geld in die Hand nehmen. Die Hälfte der Betriebe gab an, dass sie im nächsten Halbjahr Investitionen planen. Dabei geht es nicht nur um den Ersatz alter Betriebsmittel, sondern auch um den Aufbau von Kapazitäten.

Die optimistischen Ergebnisse überraschen. Zuletzt deuteten Umfragen auf Konjunkturdämpfer hin, das Institut HWWI senkte deswegen am Donnerstag seine Wachstumsprognose für 2007 von 2,8 auf 2,5 Prozent. Creditreform-Vorstand Rödl verwies jedoch auf die übliche Nüchternheit im Mittelstand: Dass die Firmen bei den Antworten übermütig waren, sehe er nicht.

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